Hackerbrause zum Lesen
December 7th, 2011 • Bücher, DigitalLife • No comments
Die letzten Monate haben johl, yetzt und ich damit verbracht ein Buch über Hackerbrausen zu schreiben. Jetzt ist es Ende Dezember endlich soweit — gerade noch rechtzeitig für die letzten geekigen Weihnachtsgeschenke erscheint „Hackerbrause kurz&geek“ im O’Reilly Verlag. Alle weiteren Infos, Vorbestellmöglichkeiten und ein Link zu einem Probekapitel findet ihr auf hacker.brau.se
Die Datenfresser und post-private Technologien des Selbst
June 29th, 2011 • Bücher, DigitalLife • 3 comments
„Die Datensätze werden dann auf dem grauen Markt meistbietend verkauft, nicht selten an Kriminelle, die sie dann für den Identitätsdiebstahl mißbrauchen können“. Immer mehr Menschen müssen Nachts raus. Man muss keine Wissenschaftlerin sein, um sich von solchen Sätzen ein bisschen manipuliert zu fühlen. Aber gut, „Die Datenfresser. Wie Internetfirmen und Staaten sich unsere persönlichen Daten einverleiben und wie wir die Kontrolle darüber zurückerlangen“ (2011, Frankfurt/Main) ist möglichst allgemeinverständlich geschrieben. Um ihre Zielgruppe (ich vermute, es geht um die $Mutter) zu erreichen, scheint es für Constanze Kurz und Frank Rieger strategisch wichtig zu sein, auf Belege für die von ihnen beschriebenen Entwicklung und Szenarieren weitestgehend zu verzichten.
Es ist leicht, aus einer sich informiert fühlenden Position über diesen Beitrag zur Privatsphären-Debatte zu schmunzeln. Aber immerhin: Sie konkretisieren, was sie mit der Verdatung von Individuum und Gesellschaft meinen und zeigen einige (mehr oder weniger) bedrohliche Konsequenzen auf. Dabei gehen sie über das übliche Halt deine Daten zusammen! hinaus. Unterm Strich lautet der Appel der Sachkapitel über Soziale Netzwerke, Scoring oder Biometrie und die beiden fiktionalen Schreckgeschichten über ein datensammelwütiges Startup und Robert, einen Anwalt im Jahre 2025: Bürger, lasst euch nicht entmündigen! Reflektiert, was ihr tut, ob die Preisgabe von Daten jeweils nötig ist, wem ihr vertraut. „Souveränität über die eigenen Daten bedeutet daher, Handlungsspielräume zu erhalten, nicht heute für alle Zukunft zu entscheiden, was wer wissen soll.“ (S. 202) Pseudonyme, falsche Daten, Datensparsamkeit (nicht Askese) sind Handlungsvorschläge gegen den Kontrollverlust. Eines der zentralen Argumentationsmuster von Kurz/Rieger lautet: Daten haben einen Wert. Cui bono und wer ist der Dumme?
Es mag ihnen jedoch nicht so recht gelingen, meine Angst um die Privatsphäre anzufeuern. Vielleicht habe ich mich ja schon angesteckt mit diesem Post-Privacy-Virus? „Der soziale Umgang mit Menschen, die keine Privatsphäre-Manieren haben oder gar offensiv Post-Privacy-Ideologien vertreten, kann im Ernstfall ähnlich riskant sein wie intimer Umgang mit habituellen Safe-Sex-Verweigerern.“ (S. 205) Im Konflikt zwischen Datenschutz und Post-Privacy werden die diskursiven „Gegner“ radikal pathologisiert, und zugleich wird die Privatsphäre sexualisiert und in einem heteronormativen Rahmen aufgespannt. Gefährlich wird’s wenn rauskommt, dass Du schwul, queer und pervers bist (vor allem in der Provinz!). Die diskursive Funktion von Queerness in aktuellen Datenschutz, aber auch in den Post-Privacy Diskursen (Coming Out als verallgemeinerte Methode der Emanzipation) erfordert eine eigene Analyse.
Wenn Post-Privacy doch so ein „realitätsfernes Gedankenexperiment“ (S. 252) sein soll, stellt sich die Frage, warum post-private Technologien des Selbst für viele scheinbar unbedrohlich, spannend, gar erfolgsversprechend sind (und auch wenn Machtverhältnisse auch hier eine Rolle spielen bekomme ich auf Twitter bei weitem nicht nur Einblicke in die Lebensrealitäten weißer, heterosexueller Mittelstandsmänner). Kurz und Rieger schreiben, dass Privatsphäre „kein einfach zu verstehendes Konzept ist, das sich in simplen Schlagworten verkaufen läßt“ (S. 204). Es bietet „Schutz vor der Macht anderer – sei es dem Staat oder dem Chef. Es schützt vor unangemessener Belästigung, aber auch vor der Asymmetrie von Machtverhältnissen. Gleichzeitig bewahrt es den gegenseitigen Respekt, die Individualität, letztlich die Menschenwürde.“ (S. 205) Und schließlich, eine Aussage des Juristen Edward Boustein von 1964(!) zitierend (ohne Quellenangabe): „Es ist der Schutz der Privatsphäre, der den Menschen vor dem Druck des Konformismus bewahrt.“ (S. 271)
Die Antwort, die „Datenfresser“ auf die Frage, woher die Lust an der Offenheit/Öffentlichkeit kommt, gibt, ist einfach: Sie ist Resultat von hauptsächlich privatwirtschaftlicher Manipulation, die geschickt genug waren, ihre Begehrlichkeiten in die Gestaltung von Technologien (location based services, soziale Netzwerke, die cloud) einzuschreiben. Gesellschaftsanalytisch muss an dieser Stelle jedoch auf neoliberal-gouvernementale Machtformationen verwiesen werden: Es geht in unserer heutigen Zeit nicht mehr so sehr um den Konformismus der Masse. Normativität hat sich verschoben, subjektive Differenz ist für viele zum kulturellen Kapital geworden. Unter diesem Licht betrachtet werden post-private Selbsttechnologien verstehbar, aber auch kritisierbar. Doch diesen analytischen Schritt zu machen steht noch aus.
Schmutzige Bücher unordentlich sortiert
July 12th, 2010 • Bücher, Queer • 1 comment
Dank Amazon kann ich mir jetzt in den Lebenslauf schrieben, Mitherausgeberin einer Erotik-Anthologie zu sein. Nele Tabler ist wohl schon seit längerem aufgefallen, dass sie bei Amazon die virtuellen Bücherregale umsortiert haben. Heute twittert sie: „Nach Wochen endlich eine brauchbare Antwort bekommen: Belletristik für #Lesben + #Schwule läuft bei amazon nur noch unter Erotik“.
„Verqueerte Verhältnisse“, der 2009 erschienene Sammelband zu unserer Hamburger Vorlesungsreihe „Jenseits der Geschlechtergrenzen“ ist in den Kategorien „Bücher > Erotik > Tipps für Schwule“ und „Bücher > Ratgeber > Lesben & Schwule > Schwul“ gelandet. Nina Degeles „Gender / Queer Studies: Eine Einführung“ findet sich unter anderem bei „Bücher > Erotik > Tipps für Lesben“, aber auch bei der sozialwissenschaftlichen Fachliteratur.
Eine ganz amüsante Verqueerung kategorialer Zuschreibungen, zumal nicht alle Fachbücher und Textsammlungen aus dem Bereich Queer in der Erotikecke gelandet sind. Problematisch wird es allerdings bei den Romanen und Krimis. Bellestrik mit lesbischen, schwulen, bi– oder transsexuellen Held_innen klassifiziert Amazon pauschal als „Erotik > Tipps für Schwule“ (bzw. Lesben). Oder aber sie landet in der Ratgeberecke wie zum Beispiel der Roman „Stone Butch Blues“ von Leslie Feinberg (Ratgeber > Lesben & Schwule > Coming-out). In genau diesen beiden Kategorien findet sich auch das Werk „Mein schwuler Friseur — oder wie Sie sich mit 2222 Vorurteilen über Ihre Mitmenschen lustig machen“. Das ist wirklich grotesk. Es muss doch möglich sein, dass Amazon seinen Bestand katalogisiert ohne damit Leute erneut vor den Kopf zu stoßen.
Digitale und analoge Überforderung
June 30th, 2010 • Alltag, Bücher, DigitalLife • No comments
Ich komme gerade aus der Unibibliothek mit Schirrmachers „Payback“ in der Hand, steige in den Aufzug in den 8. Stock und beginne ein bisschen zu lesen. Wie üblich hält der Aufzug auf fast jeder Etage. So komme ich ein paar Seiten weit und erfahre, dass sich Schirrmacher von den digitalen Medien, dem Internet und den ganzen Gerätschaften überfordert fühlt. Sein Kopf kommt nicht mehr mit. „Nicht mehr lange, und ich könnte Ehrenmitglied jener wachsenden Gruppe von Japanern werden, die nicht nur systematisch ihre U-Bahn-Station verpassen, sondern mittlerweile auch immer häufiger vergessen, wie die Station überhaupt heißt, an der sie aussteigen müssen.“ Der Aufzug hält im siebten Stock und ist leer. Ich schaue auf die Anzeige und sehe: Es hat niemand auf die Taste 8 gedrückt. Der Aufzug fährt nach unten.
Verqueerte Verhältnisse live und in Farbe
July 8th, 2009 • Bücher, Hamburg, Queer • No comments
Die AG Queer Studies präsentiert an diesem Wochenende den Sammelband „Verqueerte Verhältnisse“ auf den Linken Buchtagen in Berlin (Samstag) und im Centro Sociale in Hamburg (Sonntag).
Buchpräsentation mit Antke Engel im Centro Sociale
June 9th, 2009 • Bücher, Feminismus, Hamburg, Oekonomie, Politik, Queer • No comments
Heute Abend (20 Uhr) wird Antke Engel ihr gerade erschienenes Buch „Bilder von Sexualität und Ökonomie. Queere kulturellen Politiken im Neoliberalismus“ (transcript) im Centro Sociale vorstellen – organisiert von der AG Queer Studies, auf deren Blog ihr mehr Infos zur Veranstaltung findet. In der taz Hamburg erschien heute ein kleines Interview mit Antke Engel.
Woohoo! Verqueerte Verhältnisse ist da!!!
May 8th, 2009 • Academia, Bücher, Queer, Wissenschaft • 1 comment
So viele Ausrufezeichen seht ihr bei mir nicht alle Tage. Das ist purer Mitherausgeberinnenstolz. Muss auch mal sein, nach so langer Arbeit.

„Verqueerte Verhältnisse. Intersektionale, ökonomiekritische und strategische Interventionen“ ist seit gestern erhältlich. Damit hat die AG Queer Studies den zweiten Sammelband zur Vortragsreihe Jenseits der Geschlechtergrenzen veröffentlicht. Das Buch ist beim Männerschwarm Verlag in Hamburg erschienen und enthält neben der Einleitung 10 Beiträge zu den Themenbereichen Queer Studies und rassifizierende Machtverhältnisse, Ökonomiekritik, neoliberaler Kapitalismus und Reflektionen queerer Praxen. Zum Sammelband beigetragen haben Jin Haritarworn, Felix Krämer, Nina Mackert, Alexandra Ganser, Antke Engel, Sonja Mönkedieck, Renate Lorenz, Do Gerbig, Joke Janssen, Annett Losert, Jo Bucher und Angelika Goeres (falls ihr das lest an dieser Stelle noch einmal Danke für die tolle Zusammenarbeit!).
Dem Band liegt ein Verständnis von Queer Theory zugrunde, das den Blick über die „klassischen“ Themenfelder der Queer Studies erweitern und Regime der Heteronormativität und Zweigeschlechtlichkeit in ihrer Verwobenheit mit anderen Herrschaftsachsen untersuchen will.
Neben Sexualitäten und Geschlechterkonstruktionen rücken vielfältige gesellschaftliche Felder und wissenschaftliche Disziplinen in den Blick, in denen (Identitäts-)Kategorien festgeschrieben und Machteffekte produziert werden. Machtvolle Zuschreibungen und ihre performative Herstellung sind nahezu jedem gesellschaftlichen Handeln und Sprechen immanent und können damit zum Untersuchungsgegenstand werden. Queer Studies stehen demnach vor der Herausforderung, ihr Untersuchungs– und Interventionsfeld radikal erweitern zu müssen und dennoch in ihrer Methodik und (wissens-)politischen Zielsetzung nicht beliebig zu werden. Dieses Buch möchte einen Beitrag zu diesem Projekt leisten.
Hier findet ihr ein PDF mit einem Überblick über den Inhalt. Der Band kann ab sofort für 16 Euro im online und offline Buchhandel erworben werden.
Promovieren mit Augenaufschlag
May 7th, 2009 • Academia, Bücher, Feminismus • 2 comments
Ich dachte mir neulich, dass es vielleicht keine schlechte Idee ist, einen Promotionsratgeber zu besorgen. Das Angebot auf dem Markt ist vielfältig, doch mangels Alternativen in der Bibliothek griff ich zu dem bei Amazon mit nur zwei Sternchen bewerteten „Promovieren mit Plan. Ihr individueller Weg: von der Themensuche zum Doktortitel“ von Randi Gunzenhäuser und Erika Haas.
Das schmale Büchlein richtet sich an zwölf verschiedene Typen von Promovierenden: Von wissenschaftlichen Mitarbeiter_innen mit vollen Stellen über Stipendiat_innen bis zu Privatiers, die sich nach erfolgreicher Berufslaufbahn ganz der wissenschaftlichen Muse hingeben. Die Tipps des Ratgebers sind am Rand mit kleine Zahlen gekennzeichnet, so dass mensch gleich sieht, für welche der zwölf Gruppen sie zutreffen. Außerdem finden sich kleine Weiblichkeitszeichen an den Stellen, die für Promovendinnen besonders relevant sind.
Lasst es euch auf der Zunge zergehen, was die Autor_innen über Autoritätskonflikte bei beruflich erfolgreichen Promovierenden gegenüber ihren Betreuungspersonen schreiben:
Verschärft wird diese Situation, wenn Sie erfolgreich im Beruf und zusätzlich weiblichen Geschlechts sind: In diesem Fall ist ein besonderes Gespür für ein ausgewogenes Verhältnis von Selbstdarstellung und Anerkennung der Autorität Ihrer Betreuungsperson gefragt. Von Ihnen als Frau wird mehr Unterordnung erwartet als von Männern. Erfolgreiche Frauen wirken auf viele Männer noch immer bedrohlich und diesem Faktum können Sie leider nicht auf einer rationalen Ebene begegnen. Nicht selten werden Sie in einen irrationalen Machtkampf verwickelt. Machen Sie sich das gerade als Frau bewusst, wenn Sie merken, dass sich inhaltliche Diskussionen ohne alle Logik entwickeln: Ihr Doktorvater hat Angst! Sie müssen sie ihm nehmen. Zum Teil reicht ein bewundernder Augenaufschlag, zum Teil müssen Sie zu langweirigen Strategiekonzepten greifen.
Liegt es an mir oder am Text, dass mir zum Thema „langwierige Strategiekonzepte“ nichts anderes einfallen will, als bei der nächsten Fachtagung mit dem Doktorvater ein Doppelzimmer zu buchen?
Ich bin gespannt, was dieses Buch noch zu bieten hat. Erstaunt hat mich, dass es beim Verlag Barbara Budrich erschienen ist. Dort erscheinen viele Bücher zu Geschlechterforschung, und auch die Fachzeitschrift für feministische Politik-Wissenschaft femina politica wird dort verlegt. Peinlich!
Buchvorstellung mit Georg Klauda
May 4th, 2009 • Bücher, Hamburg, Queer, Rassismuskritik • No comments
„Homophober Moslem, toleranter Westen?“ – diese Vorstellungen versucht Georg Klauda in seiner Monographie „Die Vertreibung aus dem Serail: Europa und die Heteronormalisierung der islamischen Welt“ (Männerschwarm Verlag) zu historisieren und zu verkomplizieren. Am Dienstag Abend wird er das Buch im Rahmen eines Vortrags mit Diskussion in der Werkstatt 3 (Nernstweg 32, Hamburg Altona) vorstellen.
Islamische Staaten geraten durch die Verfolgung „Homosexueller“ immer wieder in den Blickpunkt der Medien, und wenn sich hierzulande deklassierte Halbstarke aggressiv gegenüber Schwulen zeigen, fragt man reflexhaft nach ihrem „kulturellen Hintergrund“. Dabei ist die klassische türkische und arabische Liebeslyrik voll von gleichgeschlechtlichen Motiven, die man in der Literatur des „aufgeklärten“ Abendlands vergeblich sucht.
Angesichts dieses Widerspruchs zeichnet der Referent die Konzepte mann-männlicher Liebe und Lust in christlichen und muslimischen Gesellschaften vergleichend nach. Er zeigt den historischen Anteil des Westens an der Formierung antihomosexueller Diskurse in der islamischen Welt und belegt, dass auch in Deutschland – trotz aller gegenwärtigen Liberalität – von einer Auflösung des heteronormativen Korsetts keine Rede sein kann.
Weitere Informationen und Termine zur Buch-Tour und ein Interview mit Georg Klauda von Radio Z in Nürnberg
the fail, the glitch: Amazons Oster-Fail und ein paar Gedanken drumherum
April 15th, 2009 • Aktivismus, Bücher, DigitalLife, Feminismus, Queer • 4 comments
Die letzten Ostertage waren für viele Mitarbeiter bei Amazon in diesem Jahr vermutlich nicht sehr entspannend. Nachdem am Sonntag bekannt wurde, dass jede Menge Bücher rund um Homo– und Transsexualität, Feminismus und queer Theory (sogar Foucaults „History of Sexuality Vol 1″ war betroffen) nicht mehr als Suchergebnisse auf Amazon.com auftauchten, ging ein Aufschrei der Empörung durch die Netzwelt. Was war geschehen? War das Zensur, ein gezielter Angriff auf das Reputationssystem von Amazon oder doch – wie von Amazon bekannt gegeben wurde – eine Panne? Andrea James von seatlepi.com hat mit einem Mitarbeiter von Amazon gesprochen und fasst seine Erklärung zusammen:
Amazon managers found that an employee who happened to work in France had filled out a field incorrectly and more than 50,000 items got flipped over to be flagged as „adult,“ the source said. (Technically, the flag for adult content was flipped from ‚false‘ to ‚true.‘)
„It’s no big policy change, just some field that’s been around forever filled out incorrectly,“ the source said.
Mich überrascht zwar, dass es so einfach gehen soll, das System von Amazon durcheinander zu bringen, aber es wirkt einigermaßen plausibel. Eine menschliche Fehlerquelle, vermutlich ohne böse Absichten, und das Problem wird schnell gefixt. Mögen andere überprüfen, ob das stimmt, ich nehme das jetzt mal so an und beende die Suche nach der Wahrheit hinter dem #amazonfail an dieser Stelle mit einem Verweis auf den Guardian, der eine offizielle Sprecherin von Amazon zitiert:
„In fact, it impacted 57,310 books in a number of broad categories such as health, mind and body, reproductive and sexual medicine, and erotica. This problem impacted books not just in the United States but globally. It affected not just sales rank but also had the effect of removing the books from Amazon’s main product search.
„Many books have now been fixed and we’re in the process of fixing the remainder as quickly as possible, and we intend to implement new measures to make this kind of accident less likely to occur in the future.“
Mal so nebenbei: Ich würde doch sehr wünschen, bei der Suche nach Produkten wenigstens gefragt zu werden, ob ich wirkliche „adult“-Inhalte gefiltert haben möchte oder nicht – bei der google Bildersuche geht das ja schließlich auch.
Die Amazon-Geschichte hat sehr deutlich gezeigt, wie wunderbar Blogs und Twitter zusammen funktionieren, um schnelle, nicht-organisierte Proteste hervorzubringen. Allein mit Blogs hätte es vielleicht ein paar Tage länger gedauert und der Aufschrei wäre auch nicht so massiv geworden, durch Twitter und die Hashtags #amazonfail und #glitchmyass dagegen konnten viele Leute mal Schnell ihren Unmut kund tun, die Story verbreitete sich rasend schnell, und entsprechend groß war dann auch der Druck auf Amazon. Cyberaktivismus ist mit Blogs, Twitter und Facebook zum Massenphänomen geworden.
Auch wenn es kein gezielter, homophober und anti-feministischer Angriff auf das Reputationssystem war, finde ich die Überlegung spannend, ob gesellschaftliche Konflikte in Zukunft vermehrt mit auf diese Weise ausgetragen werden. Bücher als anstößig flaggen, Bands bei myspace oder last.fm melden, weil sie der eigenen politischen Meinung nicht zusagen, dazu aufrufen, Twitteraccounts zu blocken, gezielte Angriffe auf Trust– und Reputationssysteme … es gibt viele Möglichkeiten. Ist das ein legitimes Mittel, seiner Meinung politisch Ausdruck zu verleihen, sozusagen ziviler Ungehorsam im Internet, oder muss darauf hingearbeiten werden, dass sich im Internet soziale Normen herausbilden, die eine von solchen Methoden abhalten? Wann ist ihr Einsatz gerechtfertigt, wann nicht? Till Westermayer wirft in seinem Blog sogar die Frage auf, ob es einer „Verstaatlichung nahezumonopolisierter Netzräume“ bedarf.
Schließlich war es für mich persönlich noch spannend zu sehen was passiert, wenn man ein Thema relativ früh am mitteleuropäischen Tag im Blog aufgreift, der Link über Twitter per Retweet, Rivva und Netzpolitik verbreitet wird und plötzlich viel mehr Leute als sonst auf das Blog kommen. Kleine Erkenntnis am Rande: Die Anzahl von Blogkommentaren hängt nicht mit der Anzahl der Zugriffe auf einen bestimmten Artikel zusammen.




