Die Mädchenfrage
January 21st, 2011 • Feminismus • 1 comment
Parallel zum Bloggermädchen 2010, das noch bis zum 31. Januar 2011 bei der Mädchenmannschaft gewählt wird, hat Franziska Heine eine (erneute) Diskussion über Mädchen, Fräulein, Frau – Wie Blogautorinnen sich selbst bezeichnen ins Rollen gebracht. Dort wie auch bei Drop that Thought, wo Helga die Diskussion aufgegriffen hat, nehmen allerlei Blogger*innen Stellung zur Mädchenfrage. Viele Frauen äußern ein Unbehagen in Bezug auf den Mädchenbegriff, andere wiederum verbinden mit „Frau“ bestimmte Vorstellungen, die sie sich nicht aneignen wollen. Das Alter scheint dabei eine Rolle zu spielen, es ist aber komplizierter, wie Antje bemerkt:
Wir haben es hier also imho nicht einfach nur mit einer Mode– oder Geschmacksfrage zu tun, sondern durchaus mit einem Konflikt sowohl über die Bedeutung des Frauseins, als auch über die eigene Einordnung in die Ideengeschichte der Frauenbewegung.
Es ist dabei keinesweg einfach so, dass auf eine Mädchenfraktion mit einem bestimmten Feminismus einer Frauenfraktion, die einer anderen feministischen Generation angehört, gegenübersteht. In der feministischen Netzszene existieren viele Feminismen und ich glaube nicht, dass diese gerade entlang des Mädchenbegriffes sinnvoll diskutiert werden können. Quer dazu verlaufen außerdem die jeweiligen Strategien im Umgang mit der Geschlechterdifferenz beim eigenen Auftritt im Netz. Trage ich das Mädchen oder die Frau überhaupt im Titel oder verzichte ich darauf – und was bedeutet die jeweilige Entscheidung? Die markierte Position als Nicht-Mann scheint für für viele Bloggerinnen irgendeine Rolle zu spielen. Hier diskutiert jedoch eine feministische Szene und ich bin sicher, dass viele Frauen das noch einmal ganz anders sehen würden.
Es sind wohl diese Debatten um Positionen, die in Erzählungen und Übersetzungsprozessen geordnet werden, bis sie schließlich einer Dekonstruktion unterzogen zu werden können, wie es Cornelia Möser mit dem Topos Gleichheits– vs. Differenzfeminismus getan hat. Wer sich beteiligen möchte, möge ihre Diskussionsbeiträge bitte bei Franziska oder Helga posten.
Moon
November 19th, 2010 • Bewegtbild, Feminismus • 3 comments
„Moon“ (2009, Duncan Jones) erzählt die Geschichte von Sam Bell (gespielt von Sam Rockwell), der alleine auf einer Mondstation arbeitet. Ein wunderbarer Film, den im Kino sich anzusehen lohnt.
Der Protagonist ist eine männliche Figur, anhand dessen die großen Fragen des Menschseins in der Moderne verhandelt wird. Das Selbstverhältnis, das Mensch-Maschine-Verhältnis und schließlich das Verhältnis zum System. Die Sphäre der Produktion ist fest in männlicher Hand: Sam, seine Chefs, die ihm Videobotschaften auf die Raumstation schicken, und schließlich der Robotor GERTY (mit der Stimme von Kevin Spacey). Sam hat eine Frau, die ihn auf der Erde zurück erwartet. Tess (Dominique McElligott) wird den ZuschauerInnen nur über ihre Videobotschaften gezeigt. Sie zieht die gemeinsame Tochter Eve groß und ist Sams Ankerpunkt, der in dem Wissen lebt, in einigen Wochen wieder zurück bei ihr zu sein. Seine Erinnerungen an Tess und die kleine Tochter geben ihm Kraft, solange ihn der Wecker morgens aus den leidenschaftlichen Träumen reißt. Sie ist Objekt der Begierde und die Hüterin der Reproduktionssphäre.
Kapitalistische Vergesellschaftung und die heterosexuelle Matrix sind verwoben, zugleich reproduziert der Film jedoch auch diese symbolische Ordnung. Sam erkämpft sich Handlungsmacht durch solidarisches Handeln mit sich selbst und der Maschine. Sogar die Produktionsmittel werden angeeignet (vgl. TheGurkenkaiser: Moon als politischer Film). Die heterosexuelle Matrix bekommt deutlich kleinere Risse, die symbolische Ordnung wird scheinbar nicht bekämpft. Denkt man den Plot weiter wird aber klar, dass auch die Familie nicht heil bleiben wird.
Zwei Jahre Missy
November 13th, 2010 • DigitalLife, Feminismus, Hamburg, Medien, Musik, Queer • 4 comments
Mensch, zwei Jahre ist es schon her, dass die erste Missy Ausgabe raus kam. Was für ein schönes Ereignis das damals war! Und ich habe den Eindruck, dass die Missy tatsächlich eine integrierende Kraft in der feministischen Szene geworden ist: Als Ort zum Veröffentlichen im Heft oder als Gastbloggerin, mit Veranstaltungen oder wenn die HerausgeberInnen auf Podien auftreten oder Vorträge halten. Das soll nicht heißen, dass die Missy alles richtig macht oder in irgendeiner Form den (sic!) neuen (sic!) Feminismus repräsentiert (sic!). Sie bringt aber eine feministische Perspektive unter die Leute, die an den Kiosken bisher gefehlt hat.
Ab nächsten Montag ist die neue Ausgabe erhältlich – wie immer in allen Bahnhofskiosken und in gut sortierten Zeitschrifteläden. Ich hab sie als Abonnentin schon bekommen und durchgeblättert. Themen sind unter anderen Christiane Rösinger, das Mensch-Tier-Verhältnis und Upcycling Mode. Auch für die interessierte Nrrrd hat die Missy was zu bieten: Einen Artikel von Svenja Schröder und Jasper Nicolaisen über queere Charaktere in Computerspielen und einen Artikel über die Arbeitsverhältnisse in der Hardware-Produktion, den es auch online gibt. In Berlin (am 20. November 2010 mit Christiane Rösinger) und Hamburg (am 2. Dezember mit Forgotten Birds) gibt es zu dieser Ausgabe auch wieder Release-Partys.
Netzferne
September 28th, 2010 • DigitalLife, Feminismus • 1 comment
Kleiner Nachtrag noch zur Feminismus 2.0 Veranstaltung, die ich letzte Woche in Bremen besuchte: Inhaltlich für mich nichts neues – but that’s okay i guess. Interessant fand ich aber die Gespräche mit anderen Besucherinnen, die meisten davon eher „netzfremd“ und nicht mit feministischer Netzkultur, Blogs und „unseren“ Netzwerken auf twitter, facebook, Mailinglisten und Treffen vertraut. Einige erzählten, dass sie selbstverständlich das Internet nutzen (mit einem Augenzwinkern: „ich hab auch Email und so“) und vor allem die Seiten von Printzeitungen– und Zeitschriften regelmäßig besuchen. Lust, tiefer einzutauchen, war weniger zu verspüren. Wie kommt’s? Auf Spiegel Online, Zeit.de und co. werden Artikel gelesen, aber auch die Kommentare. Dort vermissen meine Gesprächspartnerinnen wirkliche Diskussionen. Jeder verkündet nur seine Meinung und setzt noch einen drauf, alles wirkt männerdominiert. Und schon ist die Lust auf Internet vergangen, wen wundert’s.
Mir ist noch ein zweiter Grund, sich vom Netz fern zu halten, begegnet: Der Datenschutz! Die Sicherheit! „Man hört ja immer so viel.“ „Ich will nicht, dass jeder meine Daten googlen kann.“ Vielleicht werden wir eines Tages sagen, dass das eine schlaue Haltung in weiser Voraussicht war. Das glaube ich aber nicht. Auf Nachfrage erschienen mir die Ängste sehr diffus und ich versuchte zu erklären, warum ich im Netz eine öffentliche Person bin oder anders gesagt: Selbstbewusst bestimmte Daten in die Hände des Netzes gebe. Die native Informantin der digitalen Welt geht mit gutem Beispiel voran, dachte ich mir. Schade jedenfalls, wenn die aktuellen Diskussionen über Datenschutz und Privacy so rüberkommen, dass sie Leute davon abhalten, das Netz für sich zu entdecken und im Umgang damit ihre Handlungsmächtigkeit weiter zu entwickeln, statt in der Angst zu verharren.
Nachtrag: Antje Schrupp hat etwas sehr passendes zum Thema geschrieben: Was sollen denn die Nachbarn sagen? Jetzt frage ich mich, warum ich eigentlich keine handgemalten Antje-Schrupp-Flyer an dem Abend verteilt hab. Ihr Blog würde den Ladies sicher gut gefallen.
Feminismus 2.0 in Bremen
September 19th, 2010 • DigitalLife, Feminismus, Queer • 2 comments
Der Bremer Frauenausschuss veranstaltet am nächsten Dienstag einen Politika-Abend zum Thema „Feminismus 2.0 – neue Chancen der Netz – Politik?“ Zu Gast in Dr. Sylvia Pritsch, Literatur-, Kunst– und Kulturwissenschaftlerin und derzeit Gastprofessorin an der Universität der Künste, Berlin. Themen des Abends sind Geschlechterbilder im Web 2.0 und Chancen für eine feministisch-queere Netzpolitik. Ich bin sehr gespannt auf den Abend, die Referentin, Diskussionsthemen und die Leute, die dort sein werden. Seit einiger Zeit bin ich ja wöchentlich in Bremen und falls ich dort Leser_innen habe, die sich für das Thema interessieren, würde ich mich freuen, sie dort zu sehen.
Dienstag 21. September 2010
Beginn: 19:30 Uhr — 21:30 Uhr, anschließend chill out Musik
Ort: Theaterschiff, Tiefer 104/Anleger 4, 28195 Bremen (an der Wilhelm-Kaisen-Brücke)
Eintritt: 2,56 Euro | Ermäßigt 1,00 Euro
let it beep
September 9th, 2010 • DigitalLife, Feminismus, Musik, Queer • No comments
Für Berlin sind am kommenden Sonntag Sonne und Temperaturen über 20°C vorausgesagt und in meinem Posteingang fand ich gestern das hier:
:::electricdress – let it beep))):::
löten+loungen/
/solar sounds
sonntag, 12/09/2010
14:00 — 22:00 uhr


://about blank — garten
markgrafendamm 24c
berlin s-bhf. ostkreuz
JASCHA BARUCH (://about blank, b)
BABY STEINBUTT(nutempo/ electricdress, p)
SK MIZE (hro)
CHICA PAULA (kalk pets, b)
14:00 – 19:00 workshop:
solar beep engines
weil’s im frühling so viel spaß gemacht hat, gibt’s jetzt an so herbstlichen sommertagen noch einmal im schönen ://about blank garten: löten + loungen part II – let it beep)))
es wird wieder einen workshop geben, in dem gebastelt, geschraubt, gelötet, gestaltet werden kann und dabei diesmal solarbetriebene dynamische noise-engines entstehen. und denen, die keine lust auf löten haben oder sich vielleicht ein letztes mal aufs tanzen im sonnenschein konzentrieren wollen, sei
gesagt, für musikalische unterhaltung und das tanzbein, warmes essen und kühlen sekt ist gesorgt. (bei schlechtem wetter geht es rein!!!)zum workshop sei angemerkt: bitte pünktlich kommen und unbedingt gestaltungs-klim-bim in die handtasche gepackt: wir bauen das innenleben, ihr bringt die hülle! z.b. alte puppen, kuscheltiere oder
andere belebbare körper. an alle, die beim letzten mal teilgenommen haben: bringt bitte eure geschöpfe mit, damit sie noch einmal zusammen tanzen können!und beachten: wenn für electricdress bisher die notwendigkeit bestand, die workshops im ausschluss von männlich geborenen und sozialisierten menschen durchzuführen (mit ausnahme von solchen, die sich als frau definieren), so planen wir unseren nachmittag im ://about blank diesmal geschlechteroffen, mit dem bewusstsein, besonders frauen* ansprechen zu wollen und einen offenen prozess der strukturellen veränderung in berlin anzustoßen und nicht (nur) das zurückziehen in von uns geschaffene abgegrenzte räume.
Die politischen Dimensionen der Daten und Informationen
July 20th, 2010 • DigitalLife, Feminismus • 3 comments
Antje Schrupp und mspro haben heute jeweils Texte geschrieben, die sich um Datenschutz und den Begriff des Datenmissbrauchs drehen. Beide hinterfragen – wie auch schon Christian Heller – die Idee, dass Daten unbedingt geschützt werden müssen. Sie werben für eine Kultur der Transparenz. Mspro kritisiert dabei den Begriff des Datenmissbrauchs grundsätzlich. Zum Einen: Weil sich die Lesarten von Daten nicht fixieren lassen, ist immer mit Kontrollverlust zu rechnen. Zum Anderen: Wo die einen Daten so nutzen, dass es negative Konsequenzen für das Subjekt hat, machen andere tolle, nützliche und schöne Dinge mit den Daten, an die „DatenurheberInnen“ niemals gedacht hätten. Man könnte sagen, dass die Fragen, ob Daten ge– oder missbraucht werden, immer eine im weitesten Sinne politische ist. Weil sie nicht grundsätzlich beantwortet werden kann, ist auch ein absoluter Datenschutz normativ nicht wünschenswert.
Mir ist dieser datenschutzkritische Ansatz sehr sympathisch, weil mir die Debatte zurzeit sehr ins Paranoide abrutscht, zu wenig an konkreten Problemen orientiert ist und ich Kontrollverlust für eine ernstzunehmende, aber auch interessante Vision halte. Was mir jedoch auffällt ist, dass oft von „fertigen“ Menschen ausgegangen wird. Zwar erkennt mspro an, dass „nicht jeder den Mut, die Stärke, die Macht und die Unabhängigkeit dazu [hat, sich dem Druck, Daten könnten missbraucht werden, anzupassen]. Es braucht ein gehöriges Maß an Privilegiertheit dazu, sich freizügig zu verhalten.“ Es scheint mir aber die Einsicht zu fehlen, dass diese Privilegien unter anderem mit den Instrumenten der Daten und Informationen verteilt werden. Hier argumentiere ich mit Foucault nicht im Sinne einer zentralisierten Masterplan-Machtinstanz, sondern im Sinne von komplexen strategischen Machtlinien, die sich durch die Subjekte, Institutionen, Bilder un Daten ziehen. Wie mit Daten regiert wird, hat Foucault in seinen Ausführungen zur Biomacht beschrieben, in denen es um das „Auftreten der Bevölkerung“ als ökonomisches und politisches Problem geht.
Machtwirkungen haben auch Informationen, sie sind nämlich als Repräsentationen Teil von Subjektivationsprozessen. Hier finden wir interessante Hinweise bei Butler, die zeigt, wie Subjekte (also Menschen, also wir) durch Macht nicht nur unterworfen, sondern gleichzeitig von ihr hervorgebracht werden und sich durch ein performatives Ins-Verhältnis-Setzen zu Normen aktiv selbst hervorbringen. Über die Wirkungen von Repräsentationen denke ich im Zusammenhang mit mspros These der Plattformneutralität nach, seit ich seinen Text „Plattformneutralität, Gender und die verdammte der Realität“ (der Text vom 28.05.2010 ist aus bekannten Gründen gerade nicht online zu finden) über Gender und die Sigint 10 gelesen habe. Darin setzt er sich mit der Skandalisierung einer künstlerischen Abbildung einer nackten Frau, die auf der Sigint zu sehen war, auseinander. Im Sinne der von ihm geforderten radikalen Informationsfreiheit, die er Plattformneutralität nennt, könne eine solche Repräsentation kein no go sein. Es müsse also darum gehen, durch eine Erhöhung des Frauenanteils auf Konferenzen dieser Art eine Situation zu schaffen, in der Frauen genug Selbstbewusstsein haben, störende Informationen wie diese ignorieren zu können.
Was mspro ausblendet ist, dass solche Repräsentationen eine Rolle spielen bei der andauernden Subjektwerdung. Ich habe nach dem Lesen des Textes über die Nachtfotos von Bikinimädchen im Partykeller meines Onkels nachgedacht, die auf mich als junges Mädchen sicher anders wirkten als auf meine beiden Cousins. Und neulich, als Max und Björn in der Märchenstunde beim „Tapferen Schneiderlein“ wieder über den König sprachen, der einfach mal beschließt, seine Tochter dem Helden des Märchens zur Frau zu geben, kam mir auch wieder in den Sinn, wie wenig neutral Informationen sind und was sie immerzu mit uns machen.
Wir müssen uns also immer überlegen, was die Informationen, die wir so in die Welt setzen, und die Daten, die wir gebrauchen und verarbeiten, mit uns und mit den anderen in der Welt machen, ob nützen oder schaden, Handlungsfähigkeit einschränken oder erweitern. Das scheint mir die politische (oder vielleicht sogar ethische) Frage zu sein, die am Datenschutz weiterhin hängt und mit denen wir uns selbst, unsere Freunde, die Unternehmen und die Staaten konfrontieren müssen.
Who Cares? Open Space in Berlin
June 10th, 2010 • Feminismus, Oekonomie, Queer • No comments
Die Berliner_innen, die im März die Who Cares?-Veranstaltung zu queer-feministischer Ökonomiekritik organisiert hatten, machen weiter:
„Who Cares? Wie weiter?„
Komm zum open space am 20. Juni 2010 ! — Feminists — We’re Calling You!Ökonomiekritik und Queerfeminismus war die Schnittmenge des dreitägigen Diskussions — und Vernetzungsevents vom 4.-6. März 2010 in Berlin-Neukölln. Das Event war in dem bisher anderthalb jährigen Prozess nur ein Zwischenstop und nun geht es weiter!
„Who Cares? Wie weiter?“
ist die Frage zu der wir alle interessierten Menschen (alle Geschlechter/all gender) einladen wollen. Was euch interessiert? Welche Ideen ihr habt? Ideen zu dem „Wie weiter?“ Themen zu denen ihr euch austauschen/arbeiten wollt? Zu all dem eignet sich ein Open Space.
Nach einem kurzen Rückblick auf den bisherigen anderthalb jährigen Prozess und auf das Event, haben alle Beteiligten die Möglichkeit ihre Themen und Fragen einzubringen. Wir werden uns dann mehrfach in Kleingruppen und auch in der großen Gruppe dazu austauschen und Punkte und Ergebnisse immer wieder zusammentragen. Durch den Tag wird uns eine open space — Moderatorin begleiten. Für Kekse und Getränke ist gesorgt.
Ökonomiekritik und Queerfeminismus: Worum kann es da gehen? (…)
Wir hoffen, wir konnten eure Neugierde und euer Interesse wecken. Wir sehen uns am Sonntag den 20. Juni von 15 — 20 Uhr im f.a.q. Jonasstr. 40 in Neukölln.
SIGINT10 & Feminism: What seemed to be the problem?
May 27th, 2010 • DigitalLife, Feminismus, Queer • 11 comments
Wie ich bereits in meinem kurzen Bericht über die SIGINT10 geschrieben habe, ging es auch am letzten Wochenende in Köln wieder um Geschlecht. Das Thema wurde durch ein Panel auf die Konferenz getragen, das von Ragni1 moderiert wurde und den Titel „Women and Geek Culture: What seems to be the problem guys?“ trug. Mit Heather Kelley, Eleanor Saitta, Leena Simon und Svenja Schröder saßen vier (Queer-)Feminist_innen auf dem Podium, die sich mit unterschiedlichen Facetten von Geekness und Netzkultur beschäftigen: Heather entwickelt Spiele, Eleanor ist Security-Consultant, Svenja erforscht das Web 2.0, Leena engagiert sich für Freie Software und ist Mitglied der Piratenpartei. Auf dem Panel wurde nicht kontrovers diskutiert. Es war eher ein Zusammentragen von Erfahrungen mit sexistischen Repräsentationen in Computerspielen, Lehrern, die sich nicht vorstellen können, dass Schülerinnen Interesse an Informatik haben oder unangenehme Anmachen auf Konferenzen. Am Ende stellten sie ein paar Ressourcen vor, um sich im Netz zum Thema und Lösungsansätzen zu informieren.2
Um zu sehen, dass feministische Positionen scharf angegriffen werden, reichte ein Blick auf Twitter. Anstatt sich mit kritischen Nachfragen und Redebeiträgen zu Wort zu melden, kommentierte manch eine_r die Veranstaltung auf diesem Weg mit einem platten Spruch. Das ist zwar etwas feige, heizte die Diskussion im Raum aber trotzdem an. Und auch nachdem alle den Saal verlassen hatten hörte es nicht auf. Ich war während des Panels ziemlich angefressen vom Unvermögen einiger, sich mal auf eine feministische Perspektive einzulassen. Als ich am Abend aber sah, dass sich in verschiedenen Grüppchen Leute (Männer) über Feminismus, Geschlechterrollen, Männlichkeitsbilder und Normativitäten in der Hackerszene unterhielten, war ich sehr zufrieden, denn ich hatte den Eindruck, dass (queer-)feministische Arbeit fruchten kann. Es gibt aber zwei Probleme, die meiner Meinung nach im Weg stehen.
Erstens: Ich hatte den Eindruck, dass vielen im Publikum nicht klar war, mit welchen Feminismen sie es auf dem Podium zu tun hatten. In Deutschland gibt es ja das Problem, dass Feminismus all zu oft mit der Position von Alice Schwarzer gleichgesetzt wird. Anscheinend sind bestimmte Buzzwords wie Heteronormativität, Differenz oder Queer doch noch nicht angekommen – auch wenn manche_r sie selbst im Munde führt. Damit hängt zusammen, dass Feministinnen anscheinend in der Verantwortung stehen, klar zu machen, dass sie nicht sexualitäts– und lustfeindlich sind. Das finde ich gelinde gesagt merkwürdig.3 Auch die Debatten um Intersektionalität und den Zusammenhang von Sexismus, Rassismus, Klassismus und anderen Formen von Diskriminierung, die aus der Geschlechterforschung nicht wegzudenken sind, scheinen vollkommen unbekannte Features von Feminismus zu sein. Es hilft nichts: Diese Punkte müssen wohl explizit benannt werden.
Zweitens: Es ist schwierig zu verstehen, dass komplexe gesellschaftliche Phänomene manchmal paradoxe Handlungsstrategien hervorbringen. Relativ viele haben anscheinend schon von Queer und uneindeutigen Geschlechtergrenzen gehört und finden es wichtig, binäre Normativitäten nicht zu reproduzieren. Ich bin der Meinung, dass feministische Politiken und Theorien die Gefahr der Reproduktion von Heteronormativität und Zwangszweigeschlechtlichkeit wieder mehr selbstkritisch hinterfragen müssen, auch wenn sie diese zum Ausgangspunkt der Kritik nehmen. Es kann aber nicht sein, dass sich Leute hinstellen und Queer auf die Fahne schreiben, die nicht bereit sind, ihre eigenen Praxen zu hinterfragen und ihre Position zu benennen, und damit letztlich nur ihre antifeministischen Reflexe legimieren wollen. Queer ist keine harmlose Variante von Feminismus mit einer moderneren Theorie. Queer ist Widerstand gegen das Normale.
- Sie hat jetzt selbst auch zum Panel bzw. zu einigen „Kritikpunkten“ geschrieben: Deaf. For feminism. A reply on failed criticism on a panel at SIGINT
[↩] - darunter Geek Feminism Blog, Feminism 101 und Do’s and don’t’s of encouraging women in Linux [↩]
- An dieser Stelle verweise ich auf die sehr klar formulierten 15 Thesen zu Feminismus und Postgender von Antje Schrupp. [↩]
a real female nerd
May 18th, 2010 • Feminismus, Podcasts • No comments
In der This American Life Folge 225: Home Movies, die diese Woche lief, gibt es eine etwas traurige Geschichte über einen echten female Nerd. Susan Burton erzählt, wie sie sich als Teenager nach einem Umzug vom Nerd zum populären Mädchen transformierte – mithilfe eines Seventeen-Abos und schlechter Rechtschreibung. Eine gute Gelegenheit, mal wieder auf meinen langjährigen Lieblingspodcast hinzuweisen. Neu in meiner Podcastliste ist hingegen The Moth. The Moth ist eine non-profit organization, die Storytelling-Abende veranstaltet. In den Podcasts gibt es immer ein bis zwei Geschichten, live vor Publikum erzählt. Ein sehr schönes Format.




