Category: Netzbewegung

Heute erschienen: Feministische Netzpolitik

Heute ist eine Studie erschienen, die ich Ende letzten Jahres im Auftrag des Gunda-Werner-Institut Berlin geschrieben habe: Feministische Netzpolitik. Pespektiven und Handlungsfelder (PDF).

Als Feministin, die sich mit Netzpolitik und der Netzbewegung beschäftigt, habe ich mich schon oft gefragt, welche der netzpolitischen Themen und Forderungen aus feministischer Sicht besonders wichtig sind und was in diesem Sinne gute Netzpolitik ausmacht. Getreu dem Motto “my Netzpolitik will be intersectional or it will be bullshit” ((In Anlehnung an den von Flavia Dzodan geprägten Satz: “My feminism will be intersectional or it will be bullshit”.)) macht es mich skeptisch, wenn von “openness” und “Freiheit” die Rede ist, ohne dass die Positionen benannt werden, von denen aus das geschieht.

Entsprechend gefreut habe ich mich über den Auftrag des GWI, die feministischen Ansätze zur Netzpolitik einmal systematisch zusammenzustellen und durchzudenken. Es ging darum, zu untersuchen, welche Anknüpfungspunkte es im Bereich Netzpolitik aus einer queer-feministischen Perspektive gibt und welche Themenbereiche sich für politische Interventionen hin zu einer gerechteren Teilhabe auf Grundlage queer-feministischer Ansätze besonders eignen. In den Fokus genommen habe ich schließlich fünf Themenfelder: Den Zugang zum Internet, die Regulierung von Inhalten, Fragen des Eigentumsrechtes, Privacy und Datenschutz sowie Kommunikationsverhalten und kommunikative Gewalt im Netz.

Der akademische Forschungsstand berücksichtigt soziale Ungleichheit bisher hauptsächlich beim digital divide, also im ersten Themenbereich. Es hat sich aber schnell gezeigt, dass zu all diesen Feldern aus feministischer Sicht etwas zu sagen ist und auch schon viel beigetragen wurde. Überrascht hat mich das vor allem beim Themenbereich Eigentumsrechte. Mir war neu, dass es feministische Auseinandersetzungen mit dem Urheberrecht gibt und ich fand es spannend zu lesen, wie hier eine Kritik daran formuliert wird, bestimmte Formen von Kreativität zu verwerten.

Besonders deutlich geworden ist mir aber die Bedeutung des Themas Kommunikationskultur und kommunikativer Gewalt. Aus netzpolitischen Debatten wird es, gerade auf der aktivistischen Seite, in der Regel ausgeblendet. Ich vermute, dass die Befürchtung zu groß ist, dass man damit Tür und Tor für (angeblich immer schon zum Scheitern verurteilte) staatliche Regulierungsmaßnahmen öffnen würde. Allerdings bedeutet das für Betroffene oft, dass ihnen (victim blaming) der Rückzug ins Private angeraten wird. Aus feministischer Perspektive bin ich dafür, Privacy/Datenschutz und eine politische Bearbeitung des Themas kommunikative Gewalt nicht zu vermischen.

Ich freue mich, wenn welche von euch Lust haben, in die Studie reinzulesen und ihre Ideen dazu mit mir teilen. Vom GWI aus wird es wahrscheinlich in den nächsten Monaten noch einige Impulse dazu geben, worauf ich sehr gespannt bin.

Who’s Open in Public?


Foto von So gesehen./Stefan Bucher auf Flickr. CC BY-NC-SA 2.0

Heute ist Open In Public Day 2013. Irgendwelche Typen (und anscheinend auch wenige Frauen) twittern unter dem Stichwort #oipd13 wie sie ihre Zähne putzen, Tee kochen und in der Uni sitzen. Der Tag

soll den Menschen den Wert gemeinsamer, offener und freier Daten und Kommunikation illustrieren. Anstatt uns in der Angst, unsere Daten könnten in die Öffentlichkeit gelangen, in unseren auf Streetview blockierten Häusern zu verstecken, zeigen wir unser Leben der Öffentlichkeit.

Ich könnte jetzt ein Foto von mir machen, wie ich mich beim morgendlichen Yoga verrenke. Dann würden irgendwelche Typen kommen und befinden, hässliche fette Kühe wie ich sollten ihr Internet mit solchen Bildern verschonen. Oder sich das mal abspeichern, man weiß ja nicht, wann’s mal einen Anlass gibt, abzuhassen. Ich lasse es lieber. Happy #oipd13 anyone!

Das führt uns also wieder zurück zu der Frage nach Post-Privacy und Privilegien. Neulich twitterte ich komprimiert und unverständlich zu diesem Thema: “mehrfachprivilegierte machen selbstexperimente, betreiben dadurch aber normalisierung, weil sie unmarkierte positionen haben #inanutshell”.

Ich zielte damit ab auf die zahlreichen “Post-Privacy-Exerimente”, die in der Regel von deutschen, weißen, able-bodied Cis-Männern mit Mittelschichshintergrund durchgeführt werden. Alle Standorte öffentlich zugänglich machen (exemparisch woistsixtus.com), sich ein Jahr lang ständig vorm Rechner fotografieren, sowas. Da man nicht vollkommen unreflektiert rüber kommen will, heißt es, man sei sich selbstverständlich seiner Privilegien bewusst und nähme sozusagen eine Vorreiterrolle ein, um im Selbstexperiment (mutig voran!) die Wege der Zukunft auszuloten, die uns alle zu einer besseren Gesellschaft führen könnten. Exemplarisch @tante:

Ich kann das durch meine privilegierte Stellung nicht nur tun, ich sehe das sogar als meine gesellschaftliche Verpflichtung, zumindest so lange, bis alle meine Privilegien abgeschafft sind (was leider so schnell nicht zu schaffen ist).

Was übersehen wird: Der mehrfachprivilegierte Mann ist in dieser Gesellschaft die unmarkierte Norm. Seit Jahrhunderten ist er das Universelle. Das, was wir meinen, wenn wir von “Mensch” reden. Nicht das Andere. Und genau darum besteht die Gefahr, dass die postprivaten Selbstexperimente nicht als etwas Partikulares angesehen werden, was eine bestimmte Gruppe von Menschen betreibt, sondern als neuer, für alle gültiger gesellschaftlicher Standard. Die Praxen normalisieren sich, wenn sie diese Gruppe von Menschen betreiben. Es werden z.B. Geschäftsideen dazu entwickelt und erwartet, dass alle mitmachen. Wer das nicht will, muss sich zunehmend aktiv dagegen wehren und ist dann die Spaßverderber_in, die sich nicht fotografieren lassen möchte.

Sollten wir also lieber den Data Protection Day feiern, der heute ebenfalls ist? Jein. Datenschutz ist wichtig. Aber Teilhabe an Öffentlichkeit ist es auch. Die Spackeria twitterte vor ein paar Tagen, dass #aufschrei ein Post-Privacy-Mem sei. Wenn man unter Mem nicht “etwas lustiges mit gifs” versteht, sondern eine Idee, die durch Kommunikation weitergegeben und damit vervielfältigt wird, stimmt das ja. #aufschrei kann, wie auch #609060, als Post-Privacy-Mem gelesen werden, dass eine umkämpften, emanzipatorische Idee verfolgt. Es ist der Versuch einer solidarische Praxis.

Meine Forderung zum #oipd13 ist also: Solidarisiert euch. Unterstützt Kämpfe um die Teilhabe an Öffentlichkeit für alle. Aber tut das nicht, indem ihr euch einbildet, die Avantgarde zu sein. Tut das nicht, in dem ihr solche Kämpfe vereinnahmt und euch nebenbei Machtpositionen sichert (es winken Buchverträge und Vortragshonorare!). Schreitet nicht voran. Für Menschen, die regelmäßig mit Übergriffen, rassistischen Beleidigungen, abschätzigen Blicken, Barrieren und anderem Dominanzgehabe konfrontiert sind, ist es eine Errungenschaft, open in public zu sein und eine Stimme zu haben. Für mehrfachprivilegierte Männer ist es eine Selbstverständlichkeit.

tl; dr: Was @map sagt.

Kurz notiert: Trackback über die
Netzbewegung & Frauen in der Netzpolitik

Letzte Woche hab ich mit Teresa von Trackback telefoniert, die mich zu Internet-Aktivismus und der Netzbewegung befragt hat. Das Interview lief dann am Samstag in der Sendung, ihr könnt es aber auch nachhören. Die Sendung lohnt sich nicht zuletzt auch wegen des Beitrages mit Anne Roth, die über Frauen in der Netzpolitik interviewt wurde. Die Diskussion dazu zieht sich jetzt schon seit ein paar Tagen durch mehrere Blogs. Einen zusammenfassenden Einstieg dazu findet ihr wiederum bei Anne.

Ist Internet-Aktivismus eine politische Bewegung?

Heute morgen fand ich auf Netzpolitik.org (die übrigens gerade auch eine interessante Reihe über sich und ihre Arbeit schreiben) einen Link zu einem längeren Text beim Economist: Everything is connected. Can internet activism turn into a real political movement?

Aus meiner Forschung kann ich berichten: Netzpolitischer Aktivismus ist nicht auf dem Weg eine Bewegung zu werden, er ist es schon. Wenn man sich anschaut, wie in der Forschung eine soziale Bewegung definiert wird, ist die Frage jedenfalls mit “ja” zu beantworten:

Eine soziale Bewegung ist ein informelles Netzwerk von Individuen, Gruppen und Organisationen, das über eine kollektive Identität verfügt (Internet als Lebenswelt, Netzkultur, ein Bewusstsein über die Bewegungsgeschichte, Abgrenzung gegenüber den “Internetausdruckern”, Werte wie Informationsfreiheit, Sharing, Transparenz, Hackerethik) und sich mit den Mitteln des öffentlichen Protestes (Kampagnen, Demos usw.) für gesellschaftlichen Wandel (die Gestaltung der digitalen Gesellschaft) einsetzt.


Auf der Anti-ACTA-Demo. Foto von pierreee auf Flickr. CC BY-SA 2.0.

Es ist allerdings wichtig, zwischen Internet-Aktivismus als netzpolitischem Aktivismus und Internet-Aktivismus als Aktivismus, der Internettools nutzt (das machen heutzutage fast alle politischen Bewegungen), zu differenzieren. Die Netzbewegung ist das informelle Netzwerk, dass sich mit Netzpolitik beschäftigt. Wenn ich Leuten von meiner Forschung erzähle, sage ich das immer dazu. Ich habe nämlich die Erfahrung gemacht, dass das vielen Menschen noch nicht klar ist, dass Netzpolitik ein eigenes politisches Handlungsfeld ist. Die mangelende Unterscheidung zwischen Internet als Thema und Internet als Werkzeug ist meiner Meinung nach auch der Grund dafür, dass oft so getan wird, als sei diese “Netzgemeinde” etwas ganz Rätselhaftes. Der Economist-Artikel macht diesen Fehler angenehmerweise nicht.

Netzpolitik und Netzbewegung

Unter Netzpolitik fasse ich alle politischen Konflikte darum, wie das Internet in einem gesellschaftlich wünschenswerten Sinne gestaltet, genutzt und reguliert werden soll. Dies schließt auch widerstreitende Einschätzungen über die Auswirkungen seiner Gestaltung, Regulierung und Nutzung auf andere Bereiche mit ein.

Netzpolitik beinhaltet die Internet Governance (die Arenen, Institutionen, Akteure und Prozesse der Internetregulierung) und die inhaltliche Ebene der Internet Policy (die Gesetze und Regulierungen, die hinten rauskommen). Bei manchen davon geht es ganz spezifisch um Themen, die es ohne das Internet gar nicht geben würde (z.B. Regelungen zu Domainnamen), andere sind von allgemeinerer Form. Ein Beispiel ist das Urheberrecht, dass es ja auch schon vor dem Internet gab, wo aber durch das Internet und digitale Technologien Anpassungen in die ein oder andere Richtung nötig erscheinen.

Die Netzbewegung ist eine zivilgesellschaftliche Strömung, die sich in genau diese Fragen einmischt, Themen und Forderungen in den politischen Diskurs einbringt, Akteur_innen beeinflussen will und protestiert, wenn mal wieder etwas in die falsche Richtung geht. Sie ist aber als Bewegung immer auch mehr als das, nämlich etwas kulturelles, eine Szene oder ein Konglomerat aus Szenen, die etwas miteinander zu tun haben, eine identitätsstiftende Kollektivität. Ein “wir”. Dass die Netzbewegung auch sehr stark auf netzbasierte Tools setzt, liegt auf der Hand, ist aber nicht das, was sie inhaltlich ausmacht.

Global, europäisch oder national?

Dann ist da noch die Frage, ob Bewegungen heute noch national funktionieren oder transnational wirksam sein müssen. Unter anderem darüber haben wir im September auf der Netzpolitischen Soiree der Grünen diskutiert (Mitschnitt). Der Economist-Artikel beschreibt das Phänomen als eines, das an verschiedenen Orten der Welt sichtbar wird und dadurch Momentum gewinnt. Ich würde das auch so sehen. Das Thema ist für viele Menschen auf der Welt relevant, auch wenn für die einen der Kampf gegen Zensur, für die anderen der Zugang zum Netz und für dritte die Urheberrechtsproblematik im Vordergrund steht. Es gibt ein Bewusstsein darüber, dass diese Themen etwas miteinander zu tun haben.

Auf der anderen Seite ist es aber auch so, dass der Alltag von vielen immer noch relativ nationalstaatlich geprägt ist. In Deutschland beschäftigen wir uns hauptsächlich mit der deutschen Netzpolitik, während wir von der österreichischer Netzpolitik schon nur am Rande etwas mitbekommen. Es gibt Verbindungspunkte zwischen den jeweiligen Netzbewegungen vor Ort, das Netzwerk der Kontakte zwischen den einzelnen Leuten und Gruppen innerhalb eines Landes ist aber dichter.

Das politische Mehrebenensystem, die Tatsache also, dass manche Fragen heute in globalen Verträgen, andere durch Kommissionsbeschlüsse in der EU, dritte wiederum in der Bundespolitik oder auf Landesebene zum Thema werden, macht es für die zivilgesellschaftlichen Kräfte erforderlich, einen Teil ihrer Aktivitäten auf die Ebenen jenseits des Nationalstaates zu beziehen. Das wiederum wirft Fragen nach der Differenzierung und Professionalisierung der eigenen Arbeit auf. Ich würde aber die Tatsache, ob es eine politische Bewegung ist oder nicht, nicht daran messen, ob alle europäischen oder gar weltweiten Akteur_innen vereint mit einer Stimme sprechen.

Wie umfasend soll’s denn sein?

Auf besagtem Podium hatten wir schließlich die Frage am Wickel, ob eine Bewegung unbedingt einen “grundlegenden gesellschaftlichen Wandel” herbeiführen wollen muss. Diese Position vertritt u.a. der Bewegungsforscher Dieter Rucht, andere machen das nicht zum Definitionsmerkmal. Ich denke, es gibt durchaus Ansätze in der Netzbewegung, bei denen sich erkennen lässt, dass es um einen grundsätzlichen Wandel gehen könnte.

Aus meiner Forschungsperspektive ist gerade die Frage interessant, wie in einer Bewegung darum gekämpft wird, was das Ziel ist und wie weitreichend es formuliert wird. Was ist das eigentliche Ziel, also um die umfassende Forderung, die mit allen anderen Forderungen verknüpft sind? Dabei ist natürlich die Frage, wie “grundsätzlich” oder “radikal” eine solche Forderung ist, also wie sehr sich die Gesellschaft grundlegend verändern würde, wenn sich die Bewegung durchsetzt, ein ganz wichtiger Aspekt. Nehmen wir das Thema Urheberrecht: Geht es hier darum, das Abmahnwesen zu beschränken und Netzsperren zu verhindern, oder geht es um einen grundsätzlich anderen gesellschaftlichen Umgang mit Eigentum? Der Economist-Artikel spricht hier die Konzepte Commons und Infrastruktur an, Michael Seemann spricht von Plattformneutralität.

Den Stellenwert solcher Konzepte und die Frage, ob sie in ihrer Tragweite gesellschaftlich in die richtige Richtung gehen, was diese richtige Richtung ist und mit welchen anderen gesellschaftlichen Kämpfen das etwas zu tun hat, handeln Bewegungen die ganze Zeit über aus.

Soweit ein kleiner Werkstattbericht, hervorgekitzelt durch eine rhetorische Frage. Ich arbeite ja gerade an einer Doktorarbeit über jene Netzbewegung und forsche schließlich nicht jahrelang über etwas, das es gar nicht gibt! ;-)

Network politics in the surveillance state:
A 29c3 review

CHH by night with rocket
CCH and heart of gold. Picture by anderes_hh on flickr. CC-BY 2.0

Looking back at this year’s Chaos Communication Congress, I first of all want to say thanks to all the organizers and angels who accomplished moving this event to Hamburg and making it happen. Besides having the privilege of sleeping in my own bed during congress, I really think that CCH (Congress Center Hamburg) is a great venue for congress. Not having to worry if it’s possible to get a seat when arriving last-minute to a talk was great. I didn’t feel lost at all and practically ran into someone I know every five minutes. Congress never was solely about the lectures. You can visit workshops, hang out in the lounge, ball pit and bar areas, visit the hardware hacking area or just wander around and look at all the cool stuff that people bring to congress. The new assemblies are advancing the idea of creating such a space of diverse activities and opportunities to meet people and exchange ideas.

Concerning the venue, the one thing I didn’t like was the idea of setting up workshops in noisy and crowded areas. There were quite a few designated rooms for workshops, but there were also workshops taking place at assemblies or the Speakers Corner. I’m still wondering if this was intended as an ironic commentary on the idea of everyone speaking out in a public space. I wanted to attend a workshop on netneutrality at Le Quadrature du Net’s assembly, which was located in the middle of the hackcenter. That did not work for me. But I think there is room enough to designate more quiet areas in the CCH for workshops during 30c3.

Then, of course, there were exhausting discussions about anti-harassment, awareness and creeper cards. I don’t know if I’ll find the time and energy to add to this discussion via this blog, but go and read Philips post (in German). Like Anne mentioned during the policy-meeting: I would be great to have at least one summary of the discussion in English because people really were wondering what’s going on. — Oh, here it is: Ending sexism in hacker culture: A work in progress. For this post, I just wanted to focus on the talks I saw, recommending some of them to watch. Some are already online. For the english speaking audience, there was a live translation of the German talks and you should be able to find downloads and streams with translation a soon.

My favorite talk at 29c3 was given by Eleanor Saitta and Smári McCarthy. “Long live the protocoletariat!” was highly inspiring in terms of thinking how network politics exceeds questions of regulation of internet by thinking about superseding traditional institutions with P2P “protocols”. Examples that were discussed in the talk are Liquid Democracy and Bitcoin. Many many more questions were asked, like “what happens when Liquid Feedback meets pogroms, how a do-ocracy decides to not do something, how not to be governed (which turns out to be quite like how not to be seen), why incomplete politics are useless”. Though I’m not sure if I understood everything correctly and if I agree on an onthological level with their ideas and analysis (especially with regards to power, discourse and capital), this was the most interesting talk in my opinion and I hope you’ll find the time to watch when the video is up the video.

I also strongly recommend Anne Roth’s talk on the Germanys intelligence agency Verfassungsschutz (Office for the Protection of the Constitution) and Heike Kleffner and Katharina König’s talk about the far-right German terror group NSU (youtube). Kleffner and König focussed on the involvement of agents in NSU’s context and the German nazi-scene. Following the analysis of both talks, one can just say that the Verfassungsschutz has to be closed down as soon as possible. Instead of protecting the constitution, the agency cross-financed German nazi-structures through their “V-Männer”. That’s just … arggggghhhhh!!!

Violet Blue’s “Hackers as a high risk population” is also definitely worth taking a look at. She tried to transfer some of the insights from working with other high risk populations like drug users, sex workers or homeless teens to hackers, applying a harm reduction methodology that acknowledges that certain things people do are quite dangerous, but they’re going to do them anyway.

Jacob Applebaum’s keynote (youtube): While I don’t care too much for him constantly referring to hero-figures, I found it impressive how he managed to connect the fight against the surveillance state of the so-called hacker and information elite with those of everyday marginalized people like is mother who suffers from mental illness. What I took from it was the message that, yes, we already live in a surveillance state, where it’s an ethical decision to not actively support it by for example working in the industries that gain their profits through building it’s technologies. Also, all of us have to check for our coping mechanisms. I’d rephrase this as how we can resist to the surveillance state by also resisting it’s mechanisms of subjectivization and governementality. A critical attitude is about, in Foucault’s words, “the art of not being governed or, better, the art of not being governed like that and at that cost” (from the essay “What is Critique?”). One relatively easy way to support the resistance against surveillance is of course running a tor relay on your computer, using open soft- and hardware and supporting organizations involved in working against surveillance.

Two of the more technical talks I saw and liked where Moritz Simon Geist’s presentation of his mechanical drumcomputer MD-808 (youtube) and Matthew Borgatti’s lightning talk about 3d-printed prototyping of soft robots. Other talks I saw dealt mostly with network politics issues and I went to some of the traditional talks like Fnord Jahresrückblick and Security Nightmares as well. They were business as usual. A bit amusing and insightful, but not exciting.

Talks that I still need to watch include Anatol Stefanowitsch’s presentation on language and discrimination and the one on the INDECT project by a guy called Ben (who I think I’ve met on day 4, but I was in a hurry then and did not really listen. Sorry for that!). If you like, please add your favorite talks in the comments.

#dcka im Dezember 2012: Piraten, Nazis & das Leistungsschutzrecht

logo des der computer kann alles podcastDie aktuelle Folge von ‘Der Computer kann alles’ ist jetzt online. Wir sprachen über die Piratenpartei und den Lawblogger Udo Vetter, der ein Mandat der rechten Gruppe “Besseres Hannover” angenommen hat und gerne in den Bundestag einziehen möchte. Breaking war am Tag der Sendung die Bekanntgabe, dass einige Piraten sich im Frankfurter Kollegium zusammenschließen. Ihr hört, wie unspektakulär es sein kann, wenn die Polizei in Nordirland Social Media entdeckt, obwohl gerade Riots sind. Wo bleibt die Panikmache? Panik dagegen in den Häusern Springer und Google: Kommt das Leistungsschutzrecht? Zum Schluss fragen wir uns, was eigentlich der Sinn und Zweck der ganzen Kommentarmöglichkeiten im Netz ist und ob die Leute nicht besser mal die Kresse halten sollten.

Am 9. Januar hören wir uns, wenn ihr mögt, wieder: Live vom 17 bis 19 Uhr auf FSK und später dann auf freie-radios.net und im Podcast Feed.

Das bisschen Solidarität

Zurzeit liegt im Petitionssystem des deutschen Bundestages die Petition “Bundespolizei – Äußere Merkmale nicht als Grund für Identitätskontrollen und Durchsuchungen“. Es geht Racial Profiling, die verdachtsunabhängige Kontrollen von Personen, die nicht weiß sind, durch die Polizei. Mal prüfen, ob die Person sich Ausweisen kann, sich legal in Deutschland aufhält oder einfach nur gegen die Residenzpflicht verstößt. Oder mit Drogen unterwegs ist.

Racial Profiling ist eine institutionalisierte rassistische Praxis, die vom Oberverwaltungsgericht Rheinland-Pfalz im Oktober für rechtswiedrig erklärt wurde. Was heißt das aber konkret? Von Racial Profiling steht im deutschen Polizeigesetz nichts. Theoretisch gibt es das also nicht. In der Praxis allerdings schon, denn was soll dabei raus kommen, wenn verdachtsunabhängige Kontrollen in einer Gesellschaft durchgeführt werden, in der das Wissen von Individuen und Institutionen wie der Polizei von Rassismus geprägt ist? Entsprechend geht es jetzt darum, konkrete politische Forderungen aufzustellen, die diese Praxis verändern:

  • Die Abschaffung der bundesgesetzlichen Regelungen, die verdachtsunabhängige Kontrollen erlauben,
  • eine unabhängige Meldestelle,
  • die Aufnahme von Diskriminierungstatbeständen, die von staatlichen Akteuren ausgehen in das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetze,
  • Anti-Rassismus-Trainings und eine Überarbeitung der Einsatzstrategie.

Das sind die Forderungen, die in der Petition der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland (ISD) und des Büros zur Umsetzung von Gleichbehandlung (BUG) aufgestellt werden. Das Quorum, durch das eine eine Anhörung vor dem Petitionsausschuss erreicht wird, liegt bei 50 000 Unterschriften.

Bislang haben erst 9334 Leute unterschrieben. Die Zeichnungsfrist läuft in elf Tagen ab.

Ist es wirklich so, dass in Deutschland nur Petitionen zu Hebammen und Bürgerrechtsthemen erfolgreich sein können? Racial Profiling ist ein Bürgerrechtsthema, verdammt noch mal! Es geht hier um täglich stattfindende Eingriffe des Staates, die viel unmittelbarer sind als die Vorratsdatenspeicherung. Nicht so digital, nicht so netzpolitisch. Face-to-Face, in aller Öffentlichkeit und auf rassistischer Grundlage: Weil die weiße, deutsche Beamtin weiß, dass die nicht zu uns gehören und man da ruhig mal genau hinsehen sollte. Folge dieser Praxis ist es, dass sich Leute in diesem Land nicht frei bewegen können. Dass sie beispielsweise die Gegend um den Bahnhof in ihrer Stadt möglichst meiden, um nicht ständig kontrolliert zu werden und sich dabei auch noch die Sprüche der Polizist_innen reinziehen zu müssen.

Mein Freund Pascal schreibt dazu:

racial profiling begleitet mich seit meiner geburt. racial profiling ist entwürdigend. racial profiling bringt mich mit euren gesetzeshütern (hahahaha) ständig in konflikt. racial profiling interessiert euch nicht. war klar. keiner unterschreibt. ich hatte es geahnt. die enttäuschung ist trotzdem unendlich. ich gehöre nicht zu euch. ist okay.

Wer sich hier nicht einsetzt, soll mir noch mal was erzählen von wegen Gleichheit und ob jemand Schwarz ist oder weiß sollte doch keine Rolle spielen. Von wegen Bürgerrechte für alle, Plattformneutralität, Diskriminierungsfreiheit. Klar, Petitionen wurden in den letzten Jahren inflationär eingesetzt. Wenn jeden Tag Mails von Campact, Avaaz und Change.org in der Inbox landen, setzt eine Petitionsmüdigkeit ein. Meldete euch halt wieder ab von deren Verteilern, das ist schon ok. Aber hier geht es um Solidarität. Also: Unterschreiben, weitersagen, mit Leuten sprechen und kritisch nachfragen, wenn ihr Zeug_innen von Racial Profiling werdet.

Weiterlesen:
www.stoppt-racial-profiling.de
Shehadistan: Über Gewalt, Komplizenschaft und Racial Profiling

Teilhabe durch neutrale Plattformen? Über die Piraten, die Quote und LQFB

Für die Artikelreihe “Was ist der Streit Wert?” des Gunda-Werner-Instituts habe ich mal wieder mit der parteiinternen Geschlechterpolitik der Piraten beschäftigt. Ich habe versucht, die Diskussionen um Postgender, den Frauenanteil und die Quote differenziert zu betrachten. Am Ende formuliere ich so etwas wie einen Featurerequest. Aber das könnt ihr ja dort nachlesen.

Über den Commentman, der in den Kommentaren noch mal Postgender als die Bekämpfung von Gender Mainstreaming einordnet, habe ich schmunzeln müssen: “Die Genderdiskussion ist extern an die Partei herangetragen worden von politischen Extremisten.”

#dcka im September 2012: Backlash, GEMA, Konzernmacht, Post-Privacy

logo des der computer kann alles podcastDie aktuelle “Der Computer kann alles”-Folge vom 12. September ist zwar schon seit einer Woche online, ich möchte sie hier aber noch mal erwähnen, weil sie mir dieses mal besonders gut gefallen hat. Das muss an den schaurigen Themen liegen. Wir sprechen über die vielen Gesichter des Backlash: Leute, die sich über WG-Anzeigen mokieren, sexistische Kackscheiße und die konservative Angst von einer “Zwangssolidarität” mit Pussyriot. Es geht um den Protest der Clubbetreiber_innen gegen die GEMA-Tariferhöhungen und deren mediale Gegenoffensive, die Macht der großen Netzkonzerne über Informationen und das Ende der Netzneutralität. Schön finden wir beide sancznys Text über das Post-Privacy-Wunderland, also reden wir darüber. Um die Sache abzurunden geht es am Ende noch mal um ein Backlash-Phänomen, diesmal in Form einer DDOS-Attacke gegen Telecomix, die irgendwelchen Hatern zu liberal, zu feministisch und zu pc sind.

Am 10. Oktober gehen wir dann in die nächste Runde: Von 17 bis 19 Uhr auf FSK und später dann auf freie-radios.net und im Podcast Feed.

re:publica: Untiefen überwinden

Ich wollte einen Rant schreiben über die durchwachsene Qualität der Talks auf der re:publica, der allerdings nicht so originell sein wird, wie ein guter Rant es sein sollte. Erstens ist sogar schon der FAZ aufgefallen und zweitens wissen es die anderen re:publica-Besucher_innen auch. Wir haben uns vor Ort über dieses Gefühl unterhalten, sich falsch entschieden zu haben und die interessantere Session auf der anderen Stage gerade zu verpassen.

Man geht ja eh hin um die Leute zu treffen, heißt es immer. Das mag für die meisten zutreffen. Aber trotzdem ist es nun mal so, dass die re:publica um das Vortragsformat gebaut ist. Ich habe mir dieses Jahr Mühe gegeben, mehr Vorträge der internationalen Gäste anzuschauen, von deren Themen ich sonst nicht so viel mitbekomme. Aber die Affinität zu den Leuten aus der Twitteria und das Interesse an den Diskussionen, die wir im deutschen Netzkontext seit Jahren führen und Themen, die meinen Alltag prägen, ziehen mich immer wieder zu diesen Talks, die sich im Nachhinein so halbgar anfühlen.

Wer wundert sich auch, wenn die Speaker ein paar Tage vorher verkünden, dass sie nun anfangen werden, sich Gedanken zu machen, worüber sie reden wollen, einen Tag vorher die Folien zusammen klicken und sich am Morgen vor dem Vortrag noch mal das Abstract durchlesen, dass sie irgendwann im Januar abgeschickt haben. Mir ist bewusst, dass das zum Teil auch Pose ist. Prokrastination ist schließlich immer noch schick. Einen Vortrag halten scheint aber in bestimmten Kreisen einfach dazu zu gehören (samt dem freien Eintritt und dem Leben als VIP for a day).

Die andere Seite des Problems ist der unkritische Umgang mit den rezipierten Inhalten, auf den mich eine Bekannte hingewiesen hat, die auf der re:publica war und die sich sonst nicht in dieser Blase aufhält. Wem es beim Konsum eines Vortrages langweilig wird, schaut halt auf Twitter, was gerade noch so läuft. Das mache ich auch oft so. Es ist eigentlich schade.

Die Leute, die auf der re:publica vortragen, haben interessante Gedanken zu Internet, Technologie und Gesellschaft. Das ist klar. Aber sind sie auch nach fünf Jahren noch neu genug, um damit lebendige Diskussionen zu entfachen? Ich habe wie schon zur Spackeriade den Eindruck, dass Entschleunigung und ein Nachdenken über das, was wir da tun, der Szene helfen würden, wenn es darum geht, inhaltlich von der Stelle zu kommen. Ein Blick in die Archive lohnt sich, denn die meisten Themen wurden schon oft durchgekaut, Argumente gesammelt, Definitionen entwickelt und diskutiert. Das vergessen wir aber oft, wenn wir uns davon blenden lassen, wie funky und klug sich Ideen im eigenen Kopf manchmal anfühlen.

Also: Luft holen, Zeit nehmen, tiefer tauchen. Andere schaffen das ja auch <3 PS: Ich hatte Spaß auf der re:publica, war von der Organisation beeindruckt (Plastikstühle sind wichtiger als Wlan!), habe tolle Leute getroffen, einige der Sponsoren großzügig übersehen und mich insgesamt gut unterhalten. Danke!