Robots and hands
January 23rd, 2012 • DigitalLife, Oekonomie, Podcasts • No comments
Mike Daisey was a self-described „worshipper in the cult of Mac.“ Then he saw some photos from a new iPhone, taken by workers at the factory where it was made. Mike wondered: Who makes all my crap? He traveled to China to find out.
Die This American Life–Folge Mr. Daisey and the Apple Factory thematisiert die Produktionsbedingungen in den Sonderwirtschaftszonen Chinas. Mike Daisey begab sich auf eine investigative Reise nach Shenzhen. Dort sitzt u.a. der Elektronikhersteller Foxconn, für den mehr als 300 000 Mitarbeiter_innen Appleprodukte und Bauteile für Sony, Nintendo und Hewlett-Packard herstellen. Seine Erkenntnisse und Eindrücke führt Daisey in Form eines Monologs auf. In zweiten Teil der Folge wird seine Perspektive durch das This American Life–Team vor dem Hintergrund weiterer Recherchen eingeordnet.
Hinter der shiny Oberfläche eines Smartphones steckt jede Menge Arbeit, da muss eine sich keine Illusionen machen. Einen Gedanken zum technokapitalistischen Nord-Süd-Verhältnis fand ich aber besonders interessant: Daisey beschreibt, dass ihn die Tatsache, dass ein Smartphone von sehr vielen Arbeiter_innen in einzelnen Schritten per Hand zusammengesetzt wird, ziemlich überrascht hat, obwohl er sich vorher keine großen Gedanken dazu gemacht hat. Seine Vorstellung von moderner Produktion sei geprägt von den Bildern aus japanischen Automobilfirmen der 1980er Jahre. Er war unbewusst davon ausgegangen, dass er diese Bilder auch in Shenzhen sehen würde, obwohl er auch schon von Sweatshops gehört hatte.
Statt der Hightech-Roboter setzen zehntausende von Arbeiter_innen die ganzen kleinen Teile, aus denen die Gerät bestehen, von Hand zusammen. Bis zum letzten Schritt, dem Polieren des Displays. Maschinen nehmen den Arbeiter_innen in Shenzhen die Arbeit nicht weg. Die Arbeit ist dort nämlich noch günstig genug. Tief eingeschriebene Fortschrittsnarrative lassen uns aber glauben, dass die technologische Entwicklung längst so weit sein müsste. Diese Illusion wirkt besonders absurd, wenn wir von den guten alten Zeiten schwärmen, in denen die Dinge, die wir konsumieren, noch aus echter, authentischer Handarbeit waren.
Nach dem diese Illusion vorerst zerstört ist, müsste aber auch die Frage gestellt werden, ob „Maschinen nehmen uns die Arbeit weg“ im Kontext der Forderung eines Bedingungslosen Grundeinkommens1 eine solidarische Annahme ist und ob es uns dabei egal ist, dass es eben nicht nur Maschinen sind, die diese Arbeiten jetzt übernehmen.
Beyond Re/Production: Care Work
February 25th, 2011 • Feminismus, Oekonomie, Queer, Rassismuskritik • No comments
In Berlin geht die Veranstaltungsreihe zu Queerfeminismus und Ökonomiekritik weiter, die letztes Jahr mit dem Event im März so großartig gestartet ist. Es dreht sich dieses Mal alles um die unterschiedlichen Facetten von Haus– und Sorgearbeit: Beyond Re/Production: Care Work.
Viertens: Toxie
September 30th, 2010 • Bewegtbild, Oekonomie, Podcasts • No comments
Das Planet Money Team hat vor einigen Monaten ein toxic asset gekauft. Das sind diese Mortgage Backed Securities, durch Vermögenswerte (Hypotheken, d.h. Immobilien) gesicherte Wertpapiere bzw. Anleihen, anhand derer man viel über die Ursachen und Abläufe der Finanzkrise lernen kann. „Toxie“ ist vor kurzem verstorben. Sie wird kein Geld mehr ausspucken. Das niedliche Abschiedsvideo für Toxie nehme ich zum Anlass, nach über zwei Jahren mal wieder auf Planet Money hinzuweisen.
Zweitens: Empire St. Pauli
September 29th, 2010 • Bewegtbild, Hamburg, Oekonomie • 2 comments
Empire St. Pauli konnten Hamburger_innen in den letzten Monaten immer mal wieder irgendwo sehen. Der Film wurde unter einer Creative Commons Lizenz veröffentlicht, so dass Vorführungen in nichtkommerziellem Rahmen bedenkenlos möglich waren. Online gab es den Film bislang nicht zu sehen. Das ist jetzt anders. Anhand von Interviews mit St. Paulianer_innen aller Art stellt der Film den Gentrifizierungsprozess in St. Pauli in Frage. Meine Lieblingsstelle, aus dem Gedächtnis zitiert: „Dann haben die da drüben [im Brauereiquartier] ihren Aldi. Warum können die nicht zu Penny gehen wie normale Leute auch?“
Erstens: Yes Men
September 29th, 2010 • Aktivismus, Bewegtbild, Oekonomie, Politik • No comments
Ich bin dieser Tage mal dazu gekommen, zwei Dokus anzusehen, die schon länger auf meiner Festplatte lagen. Dann sind noch ein paar andere Sachen dazu gekommen. Bevor ich die alle in einen Post packe, kommt das jetzt Stück für Stück.
Für andere Nachzügler_innen sei an dieser Stelle The Yes Men Fix The World empfohlen, eine Doku über die Aktivistengruppe, die politischen Aktivismus á la Adbusting auf die Spitze treiben. Der Film steht unter einer freien Lizenz.
Fabulous Fab Lab für St. Pauli — Geh doch in die Produktion!
August 1st, 2010 • Hamburg, Oekonomie • No comments
Was ein Fab Lab genau ist, wo die Idee herkommt, wo es schon Fab Labs gibt, und was das möglicherweise mit Recht auf Stadt zu tu hat:
DIE STADTFABRIK – Fab Labs, Eigenproduktion und Neue Arbeit
5. August 2010 – 20 Uhr im Buttclub, Hafenstraße 126Selbstbestimmte Produktion für alle – mitten in der Stadt:
Das mobile Fab Lab in der Bernhard-Nocht-Straße
Mittwoch 4. August bis Freitag 6. August 2010 von 12–18 UhrDas Ersatzteil für den alten Plattenspieler, Kunsthandwerk in Kleinserie, das nächste große Ding oder ein Technik-Workshop mit Jugendlichen — Fablabs sind offene Stadteilwerkstätten, in denen es darum geht, voneinander zu lernen und Ideen zu verwirklichen. Mit computergestützten Geräten wie 3-D-Druckern und Lasercuttern will Fabulous St. Pauli die Produktion zurück in den Stadtteil holen. Hightech für alle! Damit das nicht nur trockene Theorie bleibt, haben wir ein rollendes Fab Lab aus den Niederlanden eingeladen, um konkret zu zeigen, wie so etwas funktioniert. Offene Besichtigungszeiten und Workshops finden jeweils zwischen 12 bis 21 Uhr in der Bernhard-Nocht-Str. 69 (vor dem ehemaligen Erotic Art Museum) auf St. Pauli statt. Kommt alle vorbei!
Ein Rant über Primarschule und Elterngeld
July 23rd, 2010 • Familie, Hamburg, Oekonomie, Politik • 1 comment
Bundesstipendien-Programm für die zukünftige Elite statt einer ordentlicher Bafög-Erhöhung alle Studierenden, die Bafög-berechtigt sind. Kein Elterngeld für Transferleistungsbezieher_innen, keine Primarschule in Hamburg. Mir wird ganz anders, wenn ich mir die Entwicklungen der letzten Wochen ansehe. Wenn hier eine die Verhältnisse zuspitzt, dann ist es die liberal/ökologisch/konservative Mittelschicht in ihren verschiedenen Figurationen. Abstiegsängste und Normalitätsvorstellungen führen zu immer ausschließenderen Investitionen ins eigene(!) Kind und in die eigenen Privilegien.
Die Herkunftseliten dünken sich Leistungseliten und schämen sich nicht zu behaupten „Ein Arbeiterkind kann vom Kind eines Vorstandsvorsitzenden profitieren, aber nicht umgekehrt, und das ist nicht zu verantworten!“ Es sind aber nicht allein die Vorstandsvorsitzenden und der Blankeneser Geldadel, die sich erfolgreich gegen die Einführung der Primarschule in Hamburg eingesetzt haben. Es sind auch die netten jungen Akademikerfamilien aus Eimsbüttel, die beim Gespräch mit den Nachbar_innen im Bioladen nicht sagen würden, dass der Sarrazin ja auch irgendwo Recht hat oder dass sie mal Schill gewählt haben. Aber bei der Vorstellung, ihre eigenen Kinder könnten nicht nach vier Jahren in die Pforten des Gymnasiums unter ihresgleichen auf die Universität vorbereitet werden, kriegen sie Panik. Sie erzählen sich selbst und anderen, diese Reform sei einfach nicht gut vermittelt worden und man fürchte Chaos bei der Umstellung, das nicht gut ist für die Kinder. Sie fürchten aber auch um ihre Privilegien. Privilegien, von denen sie sich einbilden, sie alleine hart erarbeitet zu haben, als würden die Zugehörigkeit zur „Mehrheitsgesellschaft“, die Entscheidung für das normale Leben und die Herkunft, die eine akademische Ausbildung ermöglichte, keine Rolle dabei spielen.
Warum sollten sie auch ihre gesellschaftliche Position hinterfragen, wenn die Regierungen seit Jahren genau dieser elitären, neoliberalen Logik forciert? Eltern werden familienpolitisch seit knapp einem Jahrzehnt als Personen adressiert, deren Bedürfnisse am Besten mit Hilfe eines Opportunitätskostenmodells erfasst werden können. Das Grundprinzip des Elterngeldes ist bekanntermaßen der Lohnersatz für das Elternteil, welches zugunsten der Kinderbetreuung zwischenzeitlich aus dem Beruf aussteigt. Die Berechnung geht so: Zu welchem Preis leiste ich mir den Berufsausstieg? Was muss mir der Staat ersetzen, damit mein Lebensstandard in den Elternmonaten ungefähr gleich bleibt? Auf dieser Prämisse gebaut wurde das Elterngeld, gerne als „Wurfprämie“ für Besserverdienende bezeichnet, ein schillernder Mix aus Neoliberalismus mit leichtem feministischen Einschlag („Vätermonate“) und konservativen Spuren. Es geht nicht um ein ausreichendes Haushaltseinkommen für alle Familien mit kleinen Kindern, sondern um die individuelle Kosten-Nutzen-Rechnung. Die einzige Ausnahme hierbei ist auch nach allen Kürzungsvorschlägen der letzten Wochen die Alleinernährerfamilie. Für sie war das Elterngeld am wenigsten konsequent, denn, in real existierenden Klischees gesprochen: Die Hausfrau ohne eigenes Einkommen in den Monaten vor der Geburt erhält den Grundbetrag des Elterngeldes unabhängig vom Verdienst ihres Mannes. Die von ALG 2 lebende Alleinerziehende zukünftig nicht.
„Ist das Gerecht gegenüber denen, die arbeiten?“ fragt sich nicht nur Christina Schröder und erhält dafür vermutlich Zustimmungen bei einigen, die sich sowieso für den „Zahlmeister der Nation“ halten und nicht sehen, dass die Mittelschicht schon jetzt mehr aus dem Gemeinwesen bekommt als sie einzahlt. Es sind die Mittelschichtsfamilien, die öffentliche Einrichtungen wie Schwimmbäder, Theater und Bücherhallen nutzen und ihre Kinder aufs Gymnasium schicken, wo der Unterricht pro Kind teurer ist als auf der Real– oder Hauptschule. Eigenverantwortung, Leistungsindividualismus und Refamiliarisierungstendenzen produzieren eine Stimmung, in der Leuten, denen es eigentlich ganz gut geht, Angst davor haben, dass „sozial Schwache“ (als seien die es von Natur aus, als sei dies kein gesellschaftliches Verhältnis!) ihnen und ihrem Nachwuchs im Weg stehen beim Kampf gegen Prekarisierung.
Mehr Überfluss für die Bahn
July 14th, 2010 • Alltag, Oekonomie • 8 comments
Hitzechaos. Kaum ist die WM vorbei, ist schon wieder ein Ausnahmezustand in Schland. Thema Nummer Eins sind in diesem Zusammenhang die Klimaanlagen der Bahn. Es ist einer meiner pet peeves, wenn sich Leute darüber Beschweren, dass Anschlusszüge nicht warten oder dass man im ICE die Fenster nicht öffnen kann. Mir kommt es immer so vor, als würden Leute davon ausgehen, dass jeder mit gesundem Menschenverstand ganz klar durchblicken würde, wie „man“ alles besser machen kann. Nur die Bahn nicht, die ist unfähig.
Es ist aber nicht erträglich bei 50°C für mehrere Stunden im Zug zu sitzen oder wegen ausfallendem Nachtzug eine Nacht bei Minusgraden am Bahnhof zu verbringen, wie es mir diesen Winter ergangen ist. Was steckt hinter der „Unfähigkeit“? Wird die Ingenieursleistung von Siemens ihrem Ruf nicht gerecht? Liegt es an Rationalisierungen und Einsparungen? Bei Zeit Online las ich heute einen Artikel von Annette Koch (dpa), der auf diese Frage eingeht.
Insider der Bahn führen die Ausfälle auf Wartungsprobleme zurück. In den Werkstätten fehle durch die Sparvorgaben der vergangenen Jahre das Personal. Zudem sind die Mitarbeiter durch außerplanmäßige Kontrollen, die vorgenommen werden müssen, um nach einem Achsenbruch die Sicherheit zu gewährleisten, extrem eingespannt. Die Bahn weist die Vorwürfe offiziell zurück, hat aber auch keine andere Erklärung für die Ausfälle der Klimaanlage.
Sehr anschaulich beschreibt eine Stelle in einem Artikel von Michael Bauchmüller gestern in der SZ den Zusammenhang von Einsparungen und ausfallender Technik bei der Berliner S-Bahn:
Aber ein komplexes System wird anfällig für Fehler auch da, wo es keiner vermutet. Beispiel S-Bahn Berlin: Die neueren Wagen verfügen über modernste Technik, die aber empfindlich auf hohe Temperaturen reagiert — weswegen es in den Führerständen inzwischen Klimaanlagen gibt. Nur hat die Bahn zwischenzeitlich auf vielen Bahnhöfen das Personal abgebaut, das die Züge abfertigte, aus Kostengründen. Die Folge: An jedem Bahnhof muss der Fahrer seine Tür öffnen, um seinen S-Bahn-Zug selbst abzufertigen — und die Temperatur im Führerhaus steigt. Nicht alle Wagen verkraften das, einige haben einstweilen hitzefrei. In den verbleibenden Zügen wird es dagegen enger.
Solche Beispiele finde ich sehr aufschlussreich, denn die Erzählung stützt meine Überlegung, dass enggetaktete, komplexe Systeme (oder vielleicht besser: Akteur-Netzwerke) wie die Bahn mit ihren vielen Zügen, Bahnhöfen, Strecken, Mitarbeiter_innen, Klimaanlagen, Fahrgästen und der ganzen Kommunikation zwischen diesen einzelnen Elementen nicht auf der effizienzoptimierten Basis des Postfordismus laufen können. Sie brauchen Redundanz, müssen gut verteilt sein. Denn ohne ein gewisses Maß an überflüssiger Kapazitäten gibt es Kettenreaktionen, wenn an einem oder mehreren Orten einzelne oder mehrere Teile ausfallen. Dann wird es heiß oder Züge fallen aus, und alle meckern wieder über die Unfähigkeit des Gesamtapparats Bahn, blenden dabei aber die politische Frage danach aus, welche und wie viele Akteure es braucht, damit das Netzwerk funktioniert.
nrrrdz000007: geld
July 2nd, 2010 • DigitalLife, gp, nrrrdz, Oekonomie • 12 comments

Heute geht’s um Geld. Eigentlich ein Thema, über das immer und überall viel geredet wird, aber komischerweise selten in Podcasts und Blogs, wenn es um die Anschaffung von neuen technischen Geräten geht. Der neuste Mac, das neueste iPhone und Reisen zu Konferenzen sind teuer. Uns interessiert, warum die Frage, was sich wer leisten kann, so selten thematisiert wird. Eine Apple-lastige Folge, bei der am Ende nur klar ist, dass Steve Jobs viel Geld verdient. Dieses Mal ohne Facepalm des Monats, weil uns die Sachen einfach zu doof waren, um es Wert zu sein, sich darüber aufzuregen. Aufmerksamkeitsressourcen sind schließlich auch knapp.
Download (mp3, 84MB)
Erwähntes:
Der Wein und… Podcast mit uns: Wein und … Nerds
Spiegel Online: Neue Erziehungsstudie: Die Kinderglücksformel
Who Cares? Open Space in Berlin
June 10th, 2010 • Feminismus, Oekonomie, Queer • No comments
Die Berliner_innen, die im März die Who Cares?-Veranstaltung zu queer-feministischer Ökonomiekritik organisiert hatten, machen weiter:
„Who Cares? Wie weiter?„
Komm zum open space am 20. Juni 2010 ! — Feminists — We’re Calling You!Ökonomiekritik und Queerfeminismus war die Schnittmenge des dreitägigen Diskussions — und Vernetzungsevents vom 4.-6. März 2010 in Berlin-Neukölln. Das Event war in dem bisher anderthalb jährigen Prozess nur ein Zwischenstop und nun geht es weiter!
„Who Cares? Wie weiter?“
ist die Frage zu der wir alle interessierten Menschen (alle Geschlechter/all gender) einladen wollen. Was euch interessiert? Welche Ideen ihr habt? Ideen zu dem „Wie weiter?“ Themen zu denen ihr euch austauschen/arbeiten wollt? Zu all dem eignet sich ein Open Space.
Nach einem kurzen Rückblick auf den bisherigen anderthalb jährigen Prozess und auf das Event, haben alle Beteiligten die Möglichkeit ihre Themen und Fragen einzubringen. Wir werden uns dann mehrfach in Kleingruppen und auch in der großen Gruppe dazu austauschen und Punkte und Ergebnisse immer wieder zusammentragen. Durch den Tag wird uns eine open space — Moderatorin begleiten. Für Kekse und Getränke ist gesorgt.
Ökonomiekritik und Queerfeminismus: Worum kann es da gehen? (…)
Wir hoffen, wir konnten eure Neugierde und euer Interesse wecken. Wir sehen uns am Sonntag den 20. Juni von 15 — 20 Uhr im f.a.q. Jonasstr. 40 in Neukölln.




