Ananas Schneiden I – Edeka exotisiert

Das, was we heute im der Freiburger Ausgabe vom Sonntag im Breisgau, einem kostenlosen Werbeblättchen, gefunden hat, ist ein Musterbeispiel für Exotisierung. Vermutlich sind die Ananas aus Costa Rica besonders schmackhaft, wenn sie von einem sympatischen, einmaligen Kenianer mundgerecht zubereitet werden. Ein Spektakel, das sich auch Kindergartengruppen und Schulklassen (die ganze Anzeige) nicht entgehen lassen sollten. Wo sehen die Kids denn sonst schon mal echte Ananas, Mangos und Papayas.

Koloniale Schattenseiten: Frappant wird Christiansquartier

Bei Blackprint wird ein Offener Brief von Jokinen dokumentiert, der sich dagegen ausspricht, den Frappant Komplex in Altona-Altstadt (aka „größte Bausünde der Stadt“) im Zuge seiner Umgestaltung in Chrisitans-Quartier umzubenennen. In der Pressemitteilung schreibt der Investor k-werkstatt

Das von k-werkstatt jetzt konzipierte Christians-Quartier soll zukünftig mit einer Verbindung von Kultur, Konsum und Wohnen die Altonaer Altstadt neu beleben. Der Name wurde in Anlehnung an die Blütezeit Altonas unter der Regierung des dänischen KönigsChristian VI. im 18. Jahrhundert gewählt.
Das Christians-Quartier wird ein freundliches, zeitgemäßes Objekt, das deutlich kleiner ist als der bisher die Große Bergstraße erdrückende Komplex. (christians-quartier.de)

Besonders freundlich und zeitgemäß ist der gewählte Name aber nicht. Schließlich würde er einen weiteren unkritischen Marker der hamburgischen Kolonialgeschichte darstellen. Jokinen schreibt dazu:

Christian VI war Hauptaktionär der „Dänisch-Westindisch-Guinesischen Kompanie“ und damit einer der größten Sklavenhändler und –halter im transatlantischen Dreieckshandel. Seine Vorgänger Christian V und Frederik IV hatten den globalisierten Sklavenhandel zwischen Kopenhagen, Guineischer Küste in Afrika und den Jungferninseln in der Karibik angeschoben. Sein Nachfolger Frederik V perfektionierte das perfide System des Menschenhandels, der zur Haupteinnahmequelle des Königs wurde und wesentlich zum Reichtum des dänischen Staates beitrug.

In Altona profitierten vom dänischen Sklavenhandel unter vielen anderen auch Emile Nölting, der sein Geld auf der dänischen Karibik-Insel St. Thomas machte und der Reeder von (van) der Smissen, der Sklavenschiffe chartete — beide werden in Altona mit Straßennamen geehrt.

Den ganzen offenen Brief könnt ihr bei Blackprint lesen: Wird ein weiterer Sklavenhändler in Hamburg geehrt?.

Kein Stilbruch

Heute bei Stilbruch für 1,50 Euro entdeckt und erstanden:

Ratet mal, wer jetzt ein Fototelefon mit Bluetooth hat!

Einbläuen

In der Zeitung: Das erstes Grinsen des neuen Jahres des Tages kommt vom touché der heutigen taz.

Per Mail kam der Hinweis auf eine antirassistische Informations– und Aktionsreihe in Hamburg: Jenseits der Grenzen.

Und das noch in der Morgendämmerung.

Petition: Stoppt den Weißen Wumbaba

2004 veröffentlichte der Kunstmann Verlag das erste „Handbuch des Verhörens“ (Autor: Axel Hacke, Illustration: Michael Sowa) unter dem Titel „Der Weiße Neger Wumbaba“. 2007 kam trotz der Proteste Schwarzer und Weißer Menschen gegen die unreflektierte Verwendung des N-Wortes und die Reproduktion rassistischer Stereotype der zweite Band „Der Weiße Neger Wumbaba kehrt zurück“

Eine Online-Pedition gegen die Verwendung des rassistischen N-Wortes, die Darstellung auf dem Buchcover und die Vermarktung der darauf abgebildeten Figur findet sich jetzt auf www.gopetition.com/online/15829.html.

Rassistische, gewalttätige Begriffe gilt es zu kritisieren, nicht zu Marketingzwecken zu instrumentalisieren. Die mit Rassismus verbundene Entmenschlichung gilt es zu beenden, nicht zu reproduzieren. (Der Schwarze Blog)

Der Braune Mob e.V. hat in der Rubrik „So geht’s nicht“ weitere Infos zu diesem Buch sowie einen Erfahrungsbericht von Protesten bei einer Lesung des Autors gesammt.

Mittwoch & Donnerstag: Komplexe Positionierungen gesucht!

Schön, wenn die Abendgestaltung so gut zusammen passt, wie nächste Woche. Am Mittwoch findet im Rahmen der Vorlesungsreihe „Jenseits der Geschlechtergrenzen“ eine Podiumsdiskussion mit Angelika Hassani, Jennifer Petzen und Georg Klauda statt, in der die Debatten rund um den Hamburger Stadtteil St. Georg hinsichtlich der diskursiven Verschränkung von Homophobie und Islamophobie zum Thema gemacht werden. Dabei soll es insbesondere um die Frage gehen, welche Interventionsmöglichkeiten aus einer antirassitischen, queeren Perspektive denkbar sind. Am Tag darauf stellt sich Kanak Attak im Rahmen der zweiten Feministischen Werkstatt dem Rätsel des Feminismus. Auch hier wird es um Positionierungen in umkämpften Feldern gehen.

Welchen Ismen gehört St. Georg ?
Eine Podiumsdiskussion, angeregt von Artikeln und Leser_Innenbriefen aus dem Hamburger Homo-Magazin „Hinnerk“.

Ausgangspunkt ist eine Debatte zum viel besungenen „Kulturkampf“, für dessen Schauplatz dieses Mal der Hamburger Stadtteil St. Georg auserkoren wurde und in dem DER Islam und DIE Schwulen gegeneinander antreten sollen. Anstelle einer Diskussionsrunde über potenzielle Lösungswege für ein „Stadtteilproblem“, wird eine kritische Perspektive eingenommen, in der die Hamburger Diskussion in den Kontext der Islam– und Integrationsdebatte der letzten Jahre eingeordnet wird. Von unterschiedlichen Standpunkten aus wird diskutiert, wie Islamophobie und Homophobie verstrickt sein können und welche Interventionsmöglichkeiten es in solche Debatten gibt, die stark von Stereotypen über „die Anderen“ geprägt sind.

Es diskutieren:
Angelika Hassani, Mitgründerin von Queer-Muslime Hamburg e.V.
Georg Klauda, Dipl. Soziologe und freier Autor, Berlin
Jennifer Petzen, Doktorandin an der University of Washington, Seattle

Mittwoch, 12. Dezember 2007, 19 Uhr
Hörsaal F im Phil-Turm, Von-Melle-Park 6, Uni Hamburg
http://queerag.genderstudies-hamburg.de

Kanak Attak und das Rätsel des Feminismus

Eine Haltung gegen Rassismus und Sexismus beinhaltet oft den Spagat, beidem ausgesetzt zu sein. Praktisch heißt das, immer auf der Hut zu sein und Mehrarbeit an Sensibilisierung zu leisten. In diesem Kontext stellt Kanak Attak einige Überlegungen an über die Möglichkeiten,
einer antirassistischen und feministischen Positionierung gerecht zu werden.

Donnerstag, 13. Dezember 2007, 19 — 21 Uhr
Kölibri, Hein-Köllisch-Platz, St.Pauli
http://www.feministisches-institut.de/aktuelles.html

Veranstaltung zu critical whiteness am Freitag im Kölibri

Am kommenden Freitag, dem 9. November, veranstaltet die Gruppe rapidas in Kooperation mit Radio Loretta e.V. eine Veranstaltung mit Dr. Eske Wollrad. Hoffentlich kommen viele, die sich in ihren Zusammenhängen bisher noch nicht so intensiv mit der Notwendigkeit der kritischen Reflektion von Weißsein und damit verbundenen Privilegisierungen beschäftigt haben.

Weißsein als Norm – kritische Analysen zu Rassismus und Feminismus in Theorie und Praxis

Erst seit wenigen Jahren werden auch hierzulande Konzepte aus der „Critical Whiteness“ Forschung diskutiert. Denn „Rasse“ ist nach wie vor ein Fundament sozialer Interaktion und gesellschaftlicher Wissensproduktion, und ihr Zentrum ist Weißsein. Weißsein steht als Signatur für Deutschsein, für das
Normale und somit Normative, und ist charakterisiert durch Abwesenheiten: nicht exotisch, nicht fremd, nicht bemerkenswert. Gleichzeitig bezeichnet Weißsein die machtvolle Position des unmarkierten Markers, der die „Anderen“ über dynamische Prozesse der Rassifizierung immer wieder neu herstellt.

In ihrem Vortrag über den Zusammenhang von Weißsein, „Rasse“ und „Volk“ im Kontext kolonialer und NS-Ideologien und ihrer Echos in der Gegenwart wird Eske Wollrad die Grundlagen der kritischen Weißseinsforschung darstellen und ihre Anwendung in Bezug auf antirassistisch-feministische Praxis zur Diskussion stellen. So besteht die Möglichkeit, sich über die wissenschaftliche Debatte hinaus mit dem Whiteness Ansatz zu beschäftigen und die eigene Praxis zureflektieren. Wie kann dieser Ansatz dazu nutzbar gemacht werden, einen Standpunkt von bloßer Selbstreflektivität oder gar Paternalismus zu verlassen? Wie kann die Verschränkung von unterschiedlichen Herrschaftsverhältnissen analysiert werden und wie kann sich dies in einer produktiven und auf Respekt gegründeten Bündnisarbeit niederschlagen?

Zur Referentin:
Dr. Eske Wollrad gehört zu den renommiertesten Whiteness-Forscherinnen Deutschlands. Sie arbeitet als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Zentrum für interdisziplinäre Frauen– und Geschlechterforschung an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg. Neben einigen Büchern publizierte sie eine Vielzahl von Artikeln zu Rassismus, Genderforschung, den Critical Whiteness Studies und Postkolonialismus.

Freitag, 09. November 2007, 19:00 Uhr, Kölibri (Hein-Köllisch-Platz 12)

anderswo: Nazis über den Kopf gewachsen

Noah Sow weist auf die Premiere von Mo Asumangs Film Roots Germania hin, der am 5. November im ZDF gezeigt wird (um NULL UHR FÜNFZEHN!) und am Freitag bzw. Samstag in Hamburg bzw. Köln. Das liest sich sehr sehenswert!

Paris is Burning im Karoeck

Am Sonntag Abend zeigt das communistisch-ästhetische Clübchen Jennie LivingstonesParis is Burning“ im Karoeck am Anfang der Marktstraße (vom Schlachhof aus gesehen). Der Film ist ein durchaus umstrittenes feministisches Diskursereignis und schon deswegen sehenswert. Und hätten die Teilnehmer_innen der aktuellen Popstars-Staffel den gesehen, dann wüssten sie auch, was Vogueing ist.

Für mich ist klar, daß der Prachtentfaltung des drag in „Paris is Burning“ sowohl ein Sinn von Niederlage als auch ein Sinn von Aufstand abzugewinnen ist, daß der drag, den wir sehen, der drag, der letztlich für uns ins Bild gesetzt ist, für uns gefilmt ist.“ (Judith Butler, Körper von Gewicht)

Durch Besprechungen von Judith Butler und bell hooks erlangte „Paris is Burning“ auch in der feministischen Theorie eine größere Aufmerksamkeit. Jennie Livingstone dokumentiert die „drag-balls“ der 80er Jahre in New York, interviewt die Queens und zeigt, wie sie sich auf die „balls“ vorbereiten, die auch als Wettbewerbe funktionieren. Gleichzeitig verweist der Film auf die sozialen Verbindungen, die in diesem Zusammenhang entstehen und die eine Anerkennung ermöglichen, sowie vor Gewalt schützen sollen.

USA 1990, 71 Min., OmU, Dokumentation, Regie: Jennie Livingstone

Intersektionalität — Workshop in Hamburg

Im Januar findet in Hamburg ein Workshop mit dem Tital Facetten der Intersektionalität – Zur Produktivität einer (Forschungs-) Perspektive statt. Mehr Informationen und ein Call For Papers auf www.genderstudies-hamburg.de.

Intersektionalität als (Forschungs-)Perspektive gewinnt für theoretische und empirische Entwicklungen in den Gender und Queer Studies – aber nicht nur dort — zunehmend an Bedeutung. Die Hamburger Gender und Queer Studies möchten das Jahr 2008 für eine intensive Beschäftigung mit diesem Arbeitsfeld nutzen. In Workshops und Vortragsveranstaltungen erhalten Wissenschaftler_innen, Studierende, Künstler_innen, politische Aktivist_innen und Praktiker_innen Gelegenheit zu Austausch und Diskussion.

Im Rahmen des Auftakt-Workshops (25. — 27. Januar 2008) möchten wir intersektional arbeitenden Menschen Gelegenheit geben, eigene Forschungsergebnisse, künstlerische Projekte und politische Initiativen/Aktionen zu präsentieren. Die Präsentationen finden im Rahmen thematisch abgegrenzter Sessions statt. Darüber hinaus bieten wir in Werkstattgruppen Gelegenheit, intersektional konzipierte (Qualifizierungs-)Arbeiten, Projekte und Initiativen zur Diskussion zu stellen („works in progress“).

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