Was du auch machst
Mach es nicht selbst
Auch wenn du dir den Weg verstellstWas du auch machst
Sei bitte schlau
Meide die Marke EigenbauHeim und Netz
Werkerei
Stehlen dir deine schöne ZeitWer zu viel selber macht
Wird schließlich dumm
Ausgenommen Selbstbefriedigung
Die Tocotronic-Single “Mach es nicht selbst” vom neuen Album “Schall und Wahn” ist eine Anti-DIY-Hymne oder so. Das Video könnt ihr hier anschauen. Ein Abgesang auf was ist das jetzt genau? Ist die “Marke Eigenbau” mittlerweile in bestimmten Kreisen unangenehmer Konsens? Was meinen die Freund_innen der MakerBots und des Baustelns dazu? Geht es um progressives Basteln im 21. Jahrhundert oder um originell-individuelle Accessoires, denen biedermeierartiger Rückzug ins gemütliche Private anhaftet? Oder gibt es dazwischen keinen großen Unterschied?


ich habe überhaupt keine Lust wegen/für Tocotronic da jetzt so eine Diskussion anzufangen.
Gut zu wissen.
Ich find das Lied großartig, und das Video großartig und Tocotronic großartig. D.I.Y. mag ich trotzdem noch. Fertige Sachen kaufen auch, ich sag mal: ich bin da indifferent. ;)
Ich bin da voll bei Tocotronic, such mir morgen lieber nen Job am Fließband und arbeite für wertige Industrieprodukte. Schluss mit der ganzen Individualität!
Das is aber ein grausliges Stück Musik. Der Text mit besserer Musik fein, aber so? Bäh! Schlager!
erinnert mich an ein interview mit christoph schlingensief auf zeit-online. in dem er meinte, dass “wir” (“die” kuenstler) wieder elitaerer werden muessen. vielleicht sind tocotronic ja genauso wie schlingensief von diesem ganzen post-millenium jeder-wie-er-kann-diy-blog/twitter-einheitsbrei genervt..
naja, nachdem ich sehr lange zeit selbstausbeuterisch und halbwegs mit freude beim ausführen aber mit enttäuschung bei der konfrontation mit der realtität (dass ich von dem was ich gerne mache nicht leben kann, es sei denn ich passe mich dem marktkonformen kleid des d.i.y. an) tätig war, kann ich mich für diese artikulation von tocotronic nur bedanken. es ist nur gut, das lied.
“d.i.y.” als das thema der ökonomie. kritik ist von seinem boden aufgestiegen und nun mitten reintransformiert in den kapitalismus. dabei hört es bei der kommodifikation von “aus freiwilligkeit/ selbstbestimmung gewachsener kreativität” ja nicht auf. freiwilligkeit modifizierte arbeitsverhältnisse. ich glaube, um letzteres geht es auch. ich bezweifel, dass es in dem lied nur um private bastelei geht. diese steigt nur in blogs und onlineshops ins öffentliche. was aber aus dieser kerbe zum commom sense geworden ist, sind eben “flexibilisierte” und “subjektivierte” arbeitsverhältnisse. stichwort selbstverwirklichung. “was ist dir für deine zukunft (sprich deinen beruf oder besser job) wichtig?” selbstverwirklichung. kann jede_r haben; aber zu welchem preis? d.h. nicht, dass ich wenn ich denn mal in ein entlohntes arbeitsverhältnis von dauer kommen werde, ich mich unwohl fühlen will. aber tendenziell bin ich momentan der meinung, ich will meine person und mein “privates” nicht in die produktivität oder profite anderer einfließen lassen. und das am ende noch auf der basis von selbstbestimmter freiwilligkeit, weil mir das projekt ja sdo viele möglichkeiten zum eigenmächtigen handeln offen lässt (um nicht zu sagen offen lassen muss)…
so; das war brockenhaft meine wuste interpretation. vielleicht schau ich mir jetzt nochmal das video an…
oh da muss ich fast unverschämt semi-werbung machen: bei einer vortragsreihe, die ich mit zwei anderen organisiere, sprach unter anderem auch volker woltersdorff zu “queeren perspektiven auf prekarisierung” und ich empfinde das als sehr passend zu dem kontext. hier nachhörbar.