Promovieren mit Augenaufschlag

Ich dachte mir neulich, dass es vielleicht keine schlechte Idee ist, einen Promotionsratgeber zu besorgen. Das Angebot auf dem Markt ist vielfältig, doch mangels Alternativen in der Bibliothek griff ich zu dem bei Amazon mit nur zwei Sternchen bewerteten „Promovieren mit Plan. Ihr individueller Weg: von der Themensuche zum Doktortitel“ von Randi Gunzenhäuser und Erika Haas.

Das schmale Büchlein richtet sich an zwölf verschiedene Typen von Promovierenden: Von wissenschaftlichen Mitarbeiter_innen mit vollen Stellen über Stipendiat_innen bis zu Privatiers, die sich nach erfolgreicher Berufslaufbahn ganz der wissenschaftlichen Muse hingeben. Die Tipps des Ratgebers sind am Rand mit kleine Zahlen gekennzeichnet, so dass mensch gleich sieht, für welche der zwölf Gruppen sie zutreffen. Außerdem finden sich kleine Weiblichkeitszeichen an den Stellen, die für Promovendinnen besonders relevant sind.

Lasst es euch auf der Zunge zergehen, was die Autor_innen über Autoritätskonflikte bei beruflich erfolgreichen Promovierenden gegenüber ihren Betreuungspersonen schreiben:

Verschärft wird diese Situation, wenn Sie erfolgreich im Beruf und zusätzlich weiblichen Geschlechts sind: In diesem Fall ist ein besonderes Gespür für ein ausgewogenes Verhältnis von Selbstdarstellung und Anerkennung der Autorität Ihrer Betreuungsperson gefragt. Von Ihnen als Frau wird mehr Unterordnung erwartet als von Männern. Erfolgreiche Frauen wirken auf viele Männer noch immer bedrohlich und diesem Faktum können Sie leider nicht auf einer rationalen Ebene begegnen. Nicht selten werden Sie in einen irrationalen Machtkampf verwickelt. Machen Sie sich das gerade als Frau bewusst, wenn Sie merken, dass sich inhaltliche Diskussionen ohne alle Logik entwickeln: Ihr Doktorvater hat Angst! Sie müssen sie ihm nehmen. Zum Teil reicht ein bewundernder Augenaufschlag, zum Teil müssen Sie zu langweirigen Strategiekonzepten greifen.

Liegt es an mir oder am Text, dass mir zum Thema „langwierige Strategiekonzepte“ nichts anderes einfallen will, als bei der nächsten Fachtagung mit dem Doktorvater ein Doppelzimmer zu buchen?

Ich bin gespannt, was dieses Buch noch zu bieten hat. Erstaunt hat mich, dass es beim Verlag Barbara Budrich erschienen ist. Dort erscheinen viele Bücher zu Geschlechterforschung, und auch die Fachzeitschrift für feministische Politik-Wissenschaft femina politica wird dort verlegt. Peinlich!



2 Responses (Add Your Comment)

  1. Das ist sehr peinlich und traurig! Hast du mal überlegt die Autorinnen zu kontaktieren? Grade wenn sowas als Tipp von Frau zu Frau kommt ist das eine Frechheit.

  2. das ist eine gute idee, das werde ich mal machen, wenn ich das buch durch habe. vielleicht finde ich ja noch mehr solcher anregungen.

Leave a Reply

Formatting: You can use these tags: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

Comments links could be nofollow free.

Other Entries

@ihdl auf twitter

  • suddenly: umzingelt von frischgewaschenen zehntklässlern auf dem weg zur oper 13 hours ago
  • das ist, by the way, liebe @huk nicht barrierefrei 16 hours ago
  • bei der @huk (24) bekommt man eine mail ohne link zur erinnerung sich einzuloggen und ein eingescanntes(!) rechnungs-pdf runterzuladen 16 hours ago
  • anfangen und mit deleuze zitat enden (wobei letzteres einfach die signatur der person ist) 16 hours ago
  • es gibt schon clevere scams: sos nachrichten über scientific community mailinglisten die mit "i am at a conference, my bag got stolen" > 16 hours ago

Nrrrdz Podcast

logo des nrrrdz podcast
Nrrrdz Podcast: queer-feministisches Nerden. Internet, Netzkultur Gadgets und Technik mit @maj und @ihdl.

Podcast Feed abonnieren.
via iTunes Store.

nrrrdz flattern

thx :) Flattr this

i heart digital life flattern

thx :) Flattr this

Der Computer kann alles

logo des der computer kann alles podcast Der Computer kann alles. Das netzpolitische Magazin im Freien Sender Kombinat. Jeden zweiten Mittwoch im Monat von 17 bis 19 Uhr auf FSK und später bei freie-radios.net und im Podcast Feed.

creative commons

banner 29c3 not my department 27.-29.12.2012 hamburg

re:publica 13
hatr.org: troll collect